132 Christian Friedrich Daniel Schubart. fg-b. i7ss.
Erbarm«, auf der finstern Bahn Doch Vater, eh' ich sterben mußDes Todes, darf ich hoffen, Und kann fast nicht mehr reden;
Daß meine Seele sprechen kann: So laß mich noch, wie StephanoS, ^
„Ich seh' den Himmel offen?" — Für meine Feinde beten!
Kann ich gleich nicht mit meinem Blut, Sein großer Seufzer stamm' in mirSo will ich doch mit Christenmuth' ,Herr Jesu, nimm den Geist zu dir!" —Dich in dem Tode preisen. Wer kann mich so verdammen?
6. Der G e f a n g' n e,
efang'ner Mann - ein armer Mann. -Durch's schwarze Eifengitter
Starr' ick den fernen Himmel anund wein' und seufze bitter.
Die Sonne, sonst so bell und rund,
Schaut trüb' auf mich herunter:
Und, kommt die braune Abendstund',
So geht sie blutig unter.
Mir ist der Mond so gelb, so bleich;
Er wallt im Wittwenschlener.
Die Sterne sind mir — Fackeln gleich,
Bei einer Todtcnfeyer.
Mag sehen nicht die Blümlein blüh'»,
Nicht fühlen Lenzeswehen. —
Ach, lieber sah' ich RosmarinIm Duft' der Gräber stehe».
Vergebens wiegt der AbcndhauchFür mich die gvld'nen Achre»; —
Möcht' nur in meinem Felfenbauch'
Was hilft mir Thau und Sonneuschei» 'Im Busen einer Rose?
Denn Nichts ist mein, ach! Nichts ist meinIm Muttererdenfchooße, —
Kann nimmer an der Gattinn Brust —, ^
Nicht an der Kinder Wangen, !
Mit Gattenwonne, Naterlust,
In Himmelsthranen, hangen. —
Gefang'ner Mann, — ein armer Mann. —Fern uon den Lieben allen,
Muß ich des Lebens DornenbahnIn Schauernachten wallen.
Es gähnt mich an die Einsamkeit;
Ich walze mich aus Nessel»,
Und selbst mein Beten wird entweihtVom Klirren meiner Fesseln.
Mich drassgt ber hohen Frcvheit RufIch sühl's; daß Gott nur Sklaven
Und Teufel für die Ketten schuf,
Um ste damit zu strafen. '
Die Stürme brausen hören.
Was hab' ich, Brüder, euch gethan? —Komm't doch und seh't mich Armen! —Gefang'ner Man» — ein armer Plann. —Ach, bab't mit mir Erbarmen!