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Kirchengeschichte : Lehrbuch zunächst für akademische Vorlesungen / von Dr. Karl August Hase
Entstehung
Seite
XX
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Zur neunten Auslage.

Noch einmal habe ich dieses Buch überarbeitet, doch ist das Meiste stehn ge-blieben. Die Arbeit eines vollen Menschenalters liegt darin, denn von andernStudien, die eher Kopf- oder Hcrzwch machen, bin ich immer gern zu diesenfriedlichen Geschichten zurückgekommen, und doch weiß ich so gut als damals,da ich die erste Vorrede schrieb, wieviel daran noch mangelhaft ist. Die Kirchen-geschichte, wo sie sich nicht bloß im Allgemeinen halten und auch das nur aufGrund specieller Forschungen darlegen will, bat einen so unübersehbaren Inhaltund so viele Beziehungen auf Verhältnisse, die an den äußerste» Gränzen derTheologie liegen, daß ein einzelnes Menschenleben schwerlich ausreicht sie zuumspannen, auch wenn, wie ich dessen mit stillem Dank gedenke. Fremde, kun-dige Freunde und Schüler, diese allmälich in jene übergehend, fleißig daran ge-holfen haben.

Naturgemäß ist geschehn, und ich darf mich dessen freuen, daß in den 33Jahren, seit dieses Buch von den Studenten so von Jahr zu Jahr mit hinüber-genommen wurde ins Pfarrhaus, Manches daraus in die gewöhnliche Behand-lung der Kirchengeschichte und in das gemeinsame Bewußtsein übergegangen ist.Übersetzungen ins Dänische, Englische, Magyarische und Französische haben beiso vielem nur Angedeuteten und Zusammengedrängten eigenthümliche Schwierig-keiten zu überwinden gehabt, besonders die französische ist meines Wissens einige-mal versucht und wieder aufgegeben, endlich doch zu stände gekommen.

Der Verfasser ist gleich in der ersten Gestalt dieses Buchs hinter den That-sachen gänzlich zurückgetreten, darin darf es sich den Schriften der Einsiedler vonPort-Ronal vergleiche», daß außerhalb der Vorrede, in der nach hergebrachtemRechte das Ich seine Stätte hat, dasselbe meines Erinnerns nur noch in denAnmerkungen zweimal vorkommt aus Anlaß einer nicht aufgefundenen Hand-schrift und zur Bezeugung des persönlichen Eindrucks einer Thatsache. Meinprotestantischer Standpunkt in der Anschauung von Ereignissen und Personenhat sich freilich nirgends verborgen, aber dieser gewährt die unbedingte Freiheitund fordert die parteilose Gerechtigkeit des Urtheils auch über das ihm Fremd-artige, ja Feindselige. Ist es doch protestantische Geschichtschreibung gewesen,welche zuerst ein begründetes und maßvolles Urtheil über die geistige Größe Gre-gors VII festgestellt hat. Diese Freiheit ist der katholischen Geschichtschreibungnicht gegeben, wenn auch das Gegentheil zu dieser Zeit nicht immer so äußerlichhervortritt, wie auch der neuen Auflage von Alzogs Kirchengeschichte das Impri-matur des Erzbischoss von Freiburg vorgedruckt ist; also die geistliche Censureines wissenschaftlichen Buchs mitten in Deutschland und in einem aus denSchlingen des Concordats geretteten Lande! Dennoch könnte der katholischenTheologie durch die neue Ausgabe meiner Kirchengeschichte in Erinnerung kom-men, was sie über ein andres Buch mir ganz vergesse» zu haben scheint, daß ich