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Kirchengeschichte : Lehrbuch zunächst für akademische Vorlesungen / von Dr. Karl August Hase
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XXI
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Borrede IX. X.

XXI

allezeit die geschichtliche Wahrheit redlich gesucht, daher auch das Christliche,Große und Schöne, was ihre Kirche enthält, unbefangen anerkannt, ja vielleichtmitunter früher und schärfer ans Licht gestellt habe, als manche ihrer eignen The-ologen es bis dahin gethan hatten.

Mag denn der gütige Gott, der mir so lange hin die Kraft und die Freudeder geschichtlichen Anschauung all des mannichfachen Lebens in seinem irdischenReiche vergönnt hat, das Miniatur-Bild davon in diesem Buche auch ferner so-weit segnen, als es die Einsicht und Freudigkeit fördert, diesem Reiche treu zudienen.

Jena, am 2. Februar 1867.

Borrede zur neuen Auflage.

Wenigen ist es so wohl geworden, ein seiner Natur nach gar sehr besserungs-fähiges Schriftwerk, doch schon in reifer Jugend unternommen, ein langes Lebendurch in der Art mehrmals aufbessern zu können, daß die Marmorstatue vor jederneuen Veröffentlichung wieder zum Thongebilde wird, das jeden frischen Eindruckleicht aufnimmt. Seit dem Jahrzehent des letzten Druckes ist neben der Natur-wissenschaft wol auf geschichtlichem Gebiet in Forschungen und Sammlungen ammeisten geschehn, dazu Einiges als Geschichte selbst, was auch für die Kirchen-geschichte, wenn nicht Änderungen, doch genauere Bestimmungen und Nachträgeforderte. Das hat sich mir dadurch recht aufgedrungen, da der etwas schwierigeDruck über ein Semester einnam, daß schon in den frühern Bogen manches seit-dem Aufgekommene nicht berücksichtigt ist. Doch bin ich an Einigem unsicher,ob eine Änderung bereits angezeigt sei, absichtlich vorübergegangen.

So ist unlängst lebhaft geltend gemacht worden, daß die Gemeindebildungdes Paulus auf heidnischem Boden in die Genossenschaften eingegangen sei,welche unter Leuten niedern Standes, auch Sklaven, meist auch mit demHeiligthum eines Schutzgottes verbunden, durch das römische Gesetz begünstigtzahlreich bestanden, so daß also die judaisircndc Gemeindeordnung mitDiakonen,Presbytern und ihren weiblichen Beugungen hier nicht die ursprüngliche gewesensei. Die Sache ist an sich nicht unwahrscheinlich, doch kenne ich keine bestimmteErweisung derselben außer in Rom selbst die Leichensocietäten, durch welche armeLeute sich eine ehrbare Bestattung sicherten und unter denen die Christen Gelegen-heit fanden sich zu verbergen. In dieser Beziehung habe ich, durch Mommscn auf-merksam gemacht, ihrer schon in frühern Auflagen gedacht, ebenso wie jetzt S. 62 f.

Gegen die Gleichstellung des Gottesfreundes, der den mächtigen Einfluß ausTauler geübt hat jS. 342, 363j, mit Niklaus von Basel, den sie als Ketzer inDienne oder in Wien verbrannt haben, ist durch Professor Lütolf jener als treuerKatholik behauptet worden, der in ein Seitenthal des Entlibuch zurückgezogen,daselbst von einem Cardinal besucht, noch 1420 als Jncluse gelebt habe. Die