266 Mittlere Kirchengesch. 3. Per. I. 806—1216.
ten, aber der germanische Geist will sich ihrer innern Nothwendigkeit be-wußt werden. Das Christenthum verbreitet sich über das nordöstlicheEu-ropa. Im Morgenlande entzündet sich der große Kampf mit dem Abend-lande. des Islam mit dem Kreuze, aber die morgenländische Kirche hatnur leidend daran theilgenommen, die Erinnerung an ihr träges Daseinist bloß ein Anhang. — Fast jedes Menschenalter stellt sich durch Chro-nisten aus seiner Mitte dar, welche die Welt- und Reichsgeschichte mehroder minder vom kirchlichen Standpunkte aus beschreiben, viele anhebendvon Erschaffung der Welt, oder doch von Christi Geburt, aber die Ge-schickte der Vorzeit ist von ihren Vorgängern abgeschrieben, jede Chronikund jede Abtheilung derselben ist nur soweit Quellenschrift, als sie ältereUrkunden oder die Ereignisse ihrer Zeit enthält. Die meisten Chronikenwaren nicht sowol das Werk eines Einzelnen, als das Gemeingut einesKlosters, daran Menschenalter arbeiteten und überarbeiteten. Eigenthüm-lick treten hervor -. Liudprand, der eine dunkle Stelle der Geschichte mitdunkeln Farben schildert, und mit seiner bösen Zunge zwar nicht verleum-derisch, doch zuweilen ungenau und in den Angelegenheiten Italiens lei-denschaftlich ist/) Widukind und Th ietmar zur Verherrlichung dessächsischenKaiserstammes. Die deutsche Geschichte Lamberts von Hers -fel d ist ein Abbild des Lebens, wie es einem frommen Mönche erscheint,der mit den großen Vorbildern römischer Geschichtschreibung bekannt nacheiner Wallfahrt zum heiligen Grabe die Geschichte der Welt und seinesVolks am kleinen, gemaltenFenster seiner Celte vorüberziehn läßt. Sig-bert von Gemblours deutet auf die nahende Zerspaltung des geistigenLebens, ein Mönch, der für kirchliche Heiligkeit begeistert, die Sache desKaisers gegen den Papst vertritt;^) mit ihm die nach Ursperg genannteChronik/) Otto von Freysingen, Kaiser Friedrichs Ohm und Ge-schichtschreiber, schrieb die Welt- und Zeit-Geschichte als ein Kirckenfürst,der vermittelnd zwischen dem Schwert und dem Hirtenstabe die Welt inihren höchsten Verhältnissen durchlebt hat, als eine Tragödie, die mit demWeltgericht endet.^) Adam von Bremen hat vom Mittelpunkte diesesgroßen nordischen Bisthums aus die Geschichte der Kirche des Nordens inder Zeit ihrer Begründung nach Urkunden, Überlieferungen und eignerAnschauung zuverläßig beschrieben/) Wenn in diesen Geschichtschreibernihr Zeitalter mit seinem Glauben und Aberglauben sich abspiegelt, soschildern dieByzantine r mitzierlicher Gelehrsamkeit ihr Hofwesen, undgeben in Seitenblicken aus die Barbaren des Abendlandes eine Perspectivewie aus einem andern Zeitalter.
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