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Kirchengeschichte : Lehrbuch zunächst für akademische Vorlesungen / von Dr. Karl August Hase
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Neue Kirchengesch. 5. Per. I. 15171648.

durch Schrecken vom Himmel erschüttert, floh er am 17. Juli 1505 in dasAugustinerkloster, und wurde gegen vielfache Abmahnung Mönch, 1507Priester, um demGesetzeGottes genugzuthun.Aber alle Entbehrungen einesgewissenhaften Klosterlebens, alle Erniedrigungen eines Bettelmönchsunddie angestrengtesten Studien der Scholastiker, insbesondre Thomas, Oc-cam und dÄilli, steigerten nur den Trübsinn eines Geistes, welcher tha-tenlos und auf ihm unnatürlicher Bahn sich verzehrte. Der Generalvicarseines Ordens in deutschen Landen. Joh. v. Staupitz, der AuguflinsLehre vom Glauben und von der Erwählung mit der Innigkeit seinerGot-tes-und Menschenliebe durchdrungen hatte, gewann sein Vertraun, ahneteeine große Bestimmung und suchte ihn aufzurichten.^ Allmälich fandLuther in der H. Schrift, wie in den Schriften Augustins und Taulersden Trost einer durch Scholastik und Mönchthum vergeßnen Lehre, daßder Mensch nicht durch seine Werke, sondern durch den Glauben an dieBarmherzigkeit Gottes in Christo selig werde. Doch erst durch Staupitznach Wittenberg versetzt s1508^ begann er Ruhe zu finden in reicher, freierThätigkeit. Von den Vorlesungen über Dialektik und Physik wendet erer sich bald zur Theologie, erlernte die biblischen Grundsprachen, erfreutesich an Disputationen und wagte nach langem Widerstreben zu predigen.Als Pilger, auch in Geschäften seines Ordens, ging er im Herbst 1511nach Rom und war hier einige Wochen, unberührt von Roms alterthüm-licher und kunstreicher Herrlichkeit, als eifriger Katholik alle Kirchen undKlüfte durchlaufend, doch nicht ohne Ärgerniß am Leichtsinne des niedernKlerus, mit dem er allein im Verkehr stand. Sein Beruf und Eid alsDoctor der H. Schrift s18. Oct. 1512^ erhob ihn innerlich über dieSchranken des Klostergelübdes durch eine bestimmte Verpflichtung,^ wieseine Gewissenhaftigkeit sie bedurfte, zur freien Erforschung und Verkün-digung christlicher Wahrheit. Schon predigt er Christum gegen die Fabelnder Heiligen, die Gnade gegen das Verdienst durch Menschensatzungen,doch voll Zorn gegen die Eigenwilligkeit der Ketzer.Seine wissenschaft-liche Thätigkeit ist ebensosehr gegen die Scholastik gerichtet, gegen ihreForm wie gegen ihre pelagianische Werkheiligkeit, als auf die Auslegungder H. Schrift, insbesondre des Psalters und Römerbriefs; bereits ver-läßt die Universität den Aristoteles undS. Augustin kommt ans Regiment, s)

K. 273. Di- 95 Theses.

Albrecht von Mainz ließ den Ablaß zum Bau der Peterskirche ge-gen die Hälfte des Gewinnes in Deutschland verkaufen. Als derDomini-

o) Von Nachsolgung d. will. Sterbens Chr. 515.2ib. äs sxsseut. äst. xrasässtina-tionis. Umsind. 517. Von d. holds. Liebe Gottes. Lpz. 518. Stuttg.862.12. Oxx..Lnanko, kotsä. 887 s. 2 2. 6, V, Orinrm, äs 8taup. fZts. f. hist. Th. 837. H. 2.sL> 2, Oonäer, Vita 8taup. 6ott. 837. 4. Stäup. u. Luth. Dnfseld. 84g. Mmann,Reff. vor d. Ref. B. II. S. 256. H. Matzmann, L. auf Hohenschwangau u. in Rom.fZts. f. hist. Th. 835. H. 2f. H. Brandes, L. Reise nach Rom. Lemgo 858. e) lädsrOssanor. kae. tksol. Vit.. Boorstsmann, I,xs. 838. x. 146. Walch B. XVI.S.2661. Jürgens B. III. S. 20V. s> L. Br. B. I. S. 57.