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Neue Kirchengesch. 6. Per. I. 1648—1877.
Absolution ohne die entsprechende Reue für werthlos erklärt, die Ohren-beichte dem individuellen Bedürfniß anheimgegeben nnd die Landesspracheim Gottesdienst, mit Ausname der Messe, empfohlen. Der Synode vornJuni 76 lag der Antrag vor zur Abschaffung des Cölibatgesetzes. Siehat diesen Antrag als nichtopportun abgelehnt und die Wiederaufnamezur Berathung der Repräsentanz anheimgestellt.") Man zählte damals an60 Geistliche, an 100 Gemeinden mit etwa 50000 Seelen im deutschenReich. Einen besondern Trost des Bruchs mit seiner Vergangenheit fandDöllinger in der Hoffnung einer Union mit der griechischen und anglika-nischen Kirche, die nicht ohne Gunst englischer Prälaten und Gelehrtenauf jährlichen Conferenzen in Bonn berathen, doch in den Versuch einersubtilen dogmatischen Ausgleichung gedrängt worden ist.v) Die vorherr-schende Stimmung der Schweiz gegen die Bischöfe und ihren unfehl-baren Meister war dem Altkatholicismus besonders günstig, daher soweites überhaupt einer Absonderung bedurfte, hier auf ähnliche Weise wie imReich aus Conferenzen freisinniger Katholiken und aufVolksversammlun-gen in noch größern Zahlenverhältnissen sich ein christkatholischesKirchenwesen bildete, für welches durch eine Delegirtenversanrmlung zuÖlten sJuni 76) mit Bewilligung der Bnndesbehörden Professor Her-zog in Bern fgb. 1841 zu Luzcrn) zum Bischof der christkatholischenSchweiz erwählt und in der Martinskirche zu Rheinfelden s18. Spt. 76)durch Reinkens wie auf einem Nationalseste geweiht worden ist. Der Bi-schof inmitten eines auf Zeit erwählten Synodalvorstandes, die theolo-gische Facultät zu Bern die Schule seiner Priester. In Frankreich habennur Einzelne an die alten Freiheiten der gallicanischen Kirche sich erin-nert. Aus der glänzenden Stellung an der Madelaine in Paris ist Mi-chael d, der das düstre Bild von der Kirche Frankreichs ausgestellt hat/)geschieden und lehrhaft an der christkatholischen Facultät zu Bern desSchweizerbischofs treuer Coadjutor für dieDiöces französischer Zunge ge-worden. Der Pater Hyacinth, der in Notredame der schönen Weltvon Paris Buße gepredigt hatte, nach dem Ausziehn seiner Carmeliter-Kutte Herr Loyson, hat in Rom s1872) ein Comite gebildet zur Reformder Kirche in ihrer Zurückführung auf die ersten 8 Jahrhunderte, ist vor-zeitig vermählt Pfarrer der katholischen Kirche in Genf geworden, der alt-katholischen Erhebung angeschlossen, doch in seinen Sondermeinungenmit ihr und mit dem Schweizertrotz nach Jahr und Tag zerfallen/) EinDomherr der Breslauer Kirche, eine religiöse, weiche Natur, folgte seinemGewissen zu den Altkatholiken f1873), entsagte der durch das Staatsge-setz ihm gesicherten Pfründe, seufzte unter der Excommunication und ret-tete sich in das separirte Lutherthum seiner Mutter s1875, 76)/) Da-
ch I. v. schulte, der Lölibatszwang u. dessen Aufheb. Bonn 876. xj Bericht d. BonnerUnionsconfer. 1874 hrsg. v. Aensch, Bonn 874. u. s. f. Lck<1re5s ok TNiLnIes to Dr.V. völlinZer. t»nä. 876. — I. I. Gverlieck, die Bonner U.Conf. im Vrk. z. Ortbod.Hat. 876. ch §. 439, c. ch Prot. KZ. 875. N. 43. 876. X. 9. ch Karl Freih. v.