Angesichts solcher Katastrophen, welche leider voraussicht-lich auch in der Folge bald da bald dort mehr oder wenigerschrecklich auftreten werden, muss man sich fragen : Steht derMensch solchen Naturereignissen machtlos gegenüber, muss er siealso mit fatalistischer Ergebenheit über sich ergehen lassen, oderist nicht vielleicht der Mensch selbst durch Versündigung gegendie Naturgesetze der Haupturheber solchen Unglückes, dessenFolgen, wie bei jeder Sünde gegen die Natur, sich zunächst gegenden Sünder kehren? Und wenn Letzteres der Fall wäre, wie könnteder Vermehrung des Uebels für die Zukunft vorgebeugt werden?Eine objective Behandlung des Gegenstandes führt am sicherstenzur rechten Erkenntniss des Uebels und diese Erkenntniss ist dersicherste Weg zur Heilung, denn mit der Behebung der schäd-lichen Ursache wird auch die schädliche Wirkung entfernt. MitBezug auf das, was Ihnen Herr Hofrath B. v. W e x und nachihm HerrEegierungsrath Freih. v. Seckendorff gelegentlichihrer Club-Vorträge mitgetheilt haben, kann ich mich heute indem einen Theile meines Vortrages kürzer fassen. Der Gegenstandverdient aber eine gesonderte Behandlung auch vom Standpunktedes Naturforschers und Historikers.
Wenn auf einer ebenen, mehr oder weniger geneigten Boden-fläche ein guter Waldbestand vorhanden ist, so wird die mecha-nische Wirkung des auffallenden Begenwassers unschädlichgemacht, denn die B.egentropfen fallen zunächst auf das dichteLaub der Bäume, rieseln von Blatt zu Blatt hinab auf den Boden,werden hier vom Moose, vom Laubfall früherer Jahre und von derHumusschichte aufgenommen, beziehungsweise in ihrem raschenWeiterlaufe gehemmt. Namentlich die Moosschichten bilden einnatürliches Sammelreservoir des Begenwassers, woraus der Ueber-schuss nur nach und nach abgegeben wird. Das nicht aufgesogeneWasser folgt den Neigungen des Bodens, dringt in die Spaltenein, bildet Wasseradern, Quellen, endlich Bäche, Flüsse undStröme, die sich in Binnenseen oder in’s Meer ergiessen. Das aufdiesem Wege, oder vom Meeresspiegel in Folge der Verdunstungin die Atmosphäre aufgestiegene Wasser kehrt bei Eintrittbestimmter Bedingungen als Thau, Nebel, Begen, Schnee u. s. wwieder in den Kreislauf der Materie zurück.
Nicht so segensreich gestalten sich die mechanischen Wir-kungen des Begenwassers oder der auflagernden Schneemassen,