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Massen fein zertheilten Wassers in Form ausserordentlich kleinerBläschen an die höheren Luftschichten abgibt, woselbst sie heiEintritt der nothwendigen Bedingungen Wolken bilden und alsRegen etc. wieder herabkommen.
Wird eine Gegend entwaldet, so zeigen Erfahrung undgenaue Messung, dass sodann in den darauffolgenden Jahren dieZahl und Gesammtmenge der atmosphärischen Niederschläge auf-fallend abnimmt; dass statt des in ziemlich regelmässige Zeit-räume vertheilten Regens nach langer Dürre häufige, aber kurzeGewitter eintreten ; damit ist aber eine Abnahme der Fruchtbarkeitdes Bodens und eine Abnahme des Wassers in Quellen, Bächenund Flüssen verbunden.*) Diese Calamität kann so weit gehen, dassnicht nur in einzelnen Gegenden, sondern in ganzen Ländernschwere Hungersnoth auftritt, und dieselben mit der Zeit für denMenschen ganz unbewohnbar werden.
In Folge Verarmens und schliesslichen Yersiegens der Wasser-läufe können die feinen Wurzel-Enden der Cultur- und Nährpflanzennicht mehr die nöthige Nahrung aus dem Boden erlangen, weildas noch vorhandene Wasser nur mehr in grösserer Tiefe vorkommt.Das Versiegen der Quellen und Brunnen zwingt aber den Menschenzum Aufgeben von Ackerbau und Viehzucht, sowie zum Verlassenseiner bisherigen, ihm vielleicht sehr lieb gewordenen Wohnsitze.
Der Wald ist somit, wie wir aus dem Vorausgeschickten ent-nehmen können, keineswegs blos dazu da, um das Holzbedürfniss derMenschen zu befriedigen, der Wald ist vielmehr derRegulator für die gesammte Vegetation, für dasKlima eines Landes, also auch der Regulatorfür das physische Behagen des Menschen. Wirfinden daher auch in waldarmen Ländern, entsprechender geo-graphischer Breite, sengende Sommerhitze, ausgedörrten Boden,seltene, aber heftige, daher gefährliche Gewitterregen neben grosserWinterkälte mit Sturmwinden; in waldreichen Ländern dagegenist ein minder heisser Sommer mit häufigeren, sanfteren Regen zufinden, und viele Landstriche sind gegen Sturmwinde und Winter-kälte aus gewissen Weltgegenden durch das bewaldete Gebirgegeschützt. Ist aber dem Walde die Regulirung des Wasserreich-
•) Siehe insbesondere das treffliche Speeialwerk : »Ueber die Ab-nahme des Wassers in den Quellen, Flüssen und Strömen etc.« von Hof-rath R. v. Wex. Wien, bei R. v. Waldheim.