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Ueber Entwaldung und Hochwässer in ihrer Rückwirkung auf die Eisenbahnen : Vortrag gehalten im Club österr. Eisenbahn-Beamten am 1. Februar 1881 / von Karl Engelhard
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sagt hierüber in seiner trefflichen Abhandlung »lieber die welt-geschichtliche Eolle der phönicischen Eace in der alten Welt«Folgendes: »Der Ackerbau wurde von den Bürgern als eineWissenschaft betrieben; Staatsmänner und Feldherren verschmähtenes nicht, in derselben zu unterrichten, und die berühmte Abhand-lung Magus, welche ins Lateinische übertragen wurde, galt denGriechen und Eömern als das grosse Grundgesetz vernünftigerLandwirthschaft. Mit der Theorie verband sich die Praxis, und dieUmgebung Karthagos mit ihren prachtvollen Eebbergen, ihrenOelbäumen, ihrer reichen Obstcultur, ihren weiten, heerdenbedecktenWiesengeländen, dem aufs Beste angebauten, mit zahlreichen Be-wässerungscanälen durchschnittenen Boden gewährte ein Bildblühenden Wohlstandes und überraschender Schönheit.«

Die Körner haben sich nach der Einnahme Karthagos i. J. 146vor Christo ihres gefährlichsten Gegners nur zu gründlich ent-ledigt. Siebzehn Tage lang brannte die vom übermüthigen Siegerangezündete Stadt; die Ueberlebenden wurden in die Sclaverei ge-führt und Karthago dem Boden gleich gemacht. Die Eömer bautenzwar später an derselben Stelle eine neue Stadt, Junonia genannt,welche unter der Kaiserzeit schon wieder zu solcher Blüthe gelangtwar, dass sie neben Eom und Alexandrien die schönste undmächtigste Stadt des Eömerreiches war; aber im Jahre 439 nachChristo wurde sie von den Vandalen unter Genserich neuerdingszerstört. Nach dem Falle des Eömerreiches kam es an der Stelledes alten Karthago zu keiner dauernden Niederlassung mehr. Wasman daselbst von oberirdischen Euinen noch vorfindet so z. B.ein Amphitheater, Cisternen, einen bewunderungswürdigen Aquae-duct mit doppelter Bogenstellung nach Art unserer Semmering -Viaducte etc. rührt von der Stadt Junonia, dem späterenrömischen Karthago , her; die Mauern des von den Eömernzerstörten phönicischen Karthago dagegen liegen 20 Meter unterdem jetzigen Niveau begraben. Der ehemalige Handelshafen undder Kriegshafen (Kotlion) konnten erst durch mühsame Nach-grabungen aufgefunden werden. Diese Häfen, welche 1100 Schiffedamaliger Bauart fassten, waren durchaus von Menschenhand imSandstein ausgebrochen worden. Voll Wehmuth lässt sich daherItaliens Dichterfürst Tasso also vernehmen:

»Im Staube liegt Karthago , kaum erblickst

Am Strande Du Trümmer seiner hohen Bauten.*