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Ueber Entwaldung und Hochwässer in ihrer Rückwirkung auf die Eisenbahnen : Vortrag gehalten im Club österr. Eisenbahn-Beamten am 1. Februar 1881 / von Karl Engelhard
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Aus den Trümmern Karthagos, dieses unermesslichen Stein-bruches, wurden Jahrhunderte lang die heute bestehenden Städteund Dörfer jener Gegend gebaut. Die einstigen Bewässerungs-Canäle, die Weinberge und Oelbäume sind verschwunden; endloserWüstensand deckt jetzt die Stätte, wo einst »des Oceans frühesteKönigin«, eines der mächtigsten Handels - Emporien, eine derfruchtbarsten Gegenden sich befand.

Was man durch Bewässerung, selbst auf afrikanischem Sand-boden und unter afrikanischer Sonnengluth, erreichen kann, hatuns das phönicische Karthago gezeigt; ganz dasselbe zeigte sichaber in Aegypten und Algier . Neben dem jetzigen Suezcanal hatman eine Süsswasserleitung angelegt, aus welcher dünne Wasser-fäden sich auf den Sandboden ergiessen. Dies reichte schon hin,um seither eine Humusschichte und üppige Vegetation entstehenzu lassen. In Algier liess die französische Regierung artesischeBrunnen bohren, und machte sich hiedurch bei den eingebornenStämmen viel beliebter als durch manche andere Massregel. Wodas aus dem Brunnen fliessende Wasser den Sandboden überfluthetoder wo es auf benachbartes Land geleitet wird, entsteht inwenigen Jahren eine grünende Oase.

Aehnliche Erscheinungen, im guten wie im bösen Sinne, wurdenauch in Amerika constatirt. Als die Spanier Anfangs des XVI. Jahr-hunderts Mexiko eroberten, fanden sie ein von Flüssen und Canälendurchzogenes, gut bevölkertes Land, mit schön bewaldetem Gebirge;jetzt sind grosse Strecken verödet, die Canalanlagen der altenMexikaner sind verfallen. Alexander v. Humboldt, welcher dasLand im Jahre 1800 besuchte, erfuhr von den Anwohnern desTacarigua-Sees in Venezuela , dass derselbe schon seit dreissigJahren in Folge Verminderung des Waldes zurückgetreten sei.Der nordamerikanische Lieutenant Wheeler sagt in seinem Berichteüber seine zweite Expedition nach Neu-Mexiko und Colorado :

»Es ist kein Zweifel, das Klima in Neu-Mexiko wird von Jahrzu Jahr wüstenartiger, und man flüchtet auf die feuchten Höhen,um Viehzucht und Ackerbau treiben zu können. Ein Mexikanernannte mir Quellen und Bäche, die seit den letzten fünfzehnJahren versiegt sind. Man findet Ruinen von ehemaligen grossenIndianer-Ortschaften in Gegenden, wo jetzt in einem Umkreisevon 80 Miles kein Tropfen Wasser zu finden ist. Gegenden, dienoch von den Spaniern vor 300 Jahren als fruchtbar geschildertwurden, sind heute eine Sandwüste.«