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Ueber Entwaldung und Hochwässer in ihrer Rückwirkung auf die Eisenbahnen : Vortrag gehalten im Club österr. Eisenbahn-Beamten am 1. Februar 1881 / von Karl Engelhard
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Was man am Walde aus Habsucht oder Leicht-lebigkeit in wenigen Jahren verbricht, kann,wie die Geschichte lehrt, oft er st in einem Jahr-hundert oder darüber, mitunter gar nichtmehrgut gemacht werden. Soll unserem ohnedies schwer-geprüften Vaterlande sein angenehmes Klima, seine gerühmtelandschaftliche Schönheit, die reiche Abwechslung vom Tieflandebis zu den Hochalpen und, was weit wichtiger ist, der Ertragseiner Ernten gewahrt -bleiben; sollen unsere Wasserläufe nichtnach und nach versiegen, dann muss mehr Oekonomie beider Hol «Verwendung stattfinden und darum muss vor-ausblickenden Staatsmännern die Devise: »W a 1 d s c h u tz«immerdar vorschweben.

Zu einer gedeihlichen Lösung der.mit der Frage des Wald-schutzes und Unschädlichmachung der Hochwässer zusammen-hängenden Aufgaben gehören allerdings gründliches Wissen,grosse Energie und bedeutende Geldmittel. Das gründlicheWissen ist bei unseren Forstmännern und Hydrotechnikern vor-handen, die grosse Energie wird sich einstellen, wenn die bedeu-tenden Geldmittel verfügbar sein werden. Letzteres wird freilicherst dann der Fall sein, wenn es gelingt, die Völker Europas vondem Jammer der stetigen Kriegsbereitschaft zu befreien und denalljährlich Milliarden verschlingenden Heeresaufwand erheblich zureduciren. Dann würde man die Wiederaufforstung entwaldeterGebirge, die Ausführung eines Canalnetzes mit künstlicher Bewässe-rung unfruchtbarer Landflächen, die damit im Zusammenhängestehende und so nothwendige Begulirung der Flüsse, den Bau derLocal-Eisenbahnen, den Bau eines unterirdischen Telegraphen-Netzes und andere segensreiche Unternehmungen ernstlich in An-griff nehmen können. In solange dies aber, meine Herren, nichtgeschieht, müssten wir zugeben, dass wir, trotz der herrlichenwissenschaftlichen und technischen Fortschritte unserer Zeit, hinterden Völkern des Alterthums denn doch in mancher Beziehungzurückstehen; wir müssten eingestehen, dass wir, trotz ausser-ordentlicher Belastung der Steuerträger, wohl das Wissen, abernicht die Mittel haben, um auf dem Gebiete der Landes-Meliorationdas durchzuführen, was den alten Völkern mit ihrem weit beschei-deneren Wissen und Können schon vor Jahrtausenden in so herr-licher Weise gelungen ist.