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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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italienischen Armee ab. Am Mincio angekommen, wo die öster-reichische Armee damals stand, machte er zwar dem General Krayund den österreichischen Truppen einige Complimente; allein diefreundliche Stimmung hielt auf beiden Seiten nicht lange vor.

Suworoff drängte ungestüm vorwärts und schonte bei den an-strengenden Märschen, die er anordnete, die Kräfte der Oesterreicherebensowenig als die der Küssen. Gleich in den ersten Tagen nachseiner Ankunft antwortete er dem sehr gebildeten österreichischenGeneral Chasteler, der eine Recognoscirung beantragt hatte: Desreconnaissances, je n'en veux pas, elles ne servent qiiaux gens timideset pour arertir Tennemi qu'on arrive, on trouve toujours Vennendquand on veut! Des colonnes, Ja Ixuonnette, Turme hlanche, Tattaque,enferrer, voilä nos reconnaissances. u Er machte sich lustig über dieBequemlichkeit, und Langsamkeit der Oesterreicher, die sich, wie erbehauptete, vor nassen Küssen fürchteten und schrieb darüber demalten und kränklichen Melas, der sonst ein wackerer Soldat war,einen Brief, der wegen seiner klassischen Grobheit später erst er-wähnt, aber doch thatsächlich nicht abgesandt wurde. Während derersten Tage, als Suworoff noch das allmälige Anrücken der russi-schen Truppen von Verona her erwartete, liess er die Oesterreicherin seiner eigenthümlichen Taktik, namentlich im Bajonnettfechtenunterrichten, was für die Soldaten wie für die Offiziere der letztemin gleicher Weise beleidigend war. Aus diesem hochmütliigen Ge-bühren der Küssen mussten gegenseitige Verstimmungen entspringen,umsomehr, als die Oesterreicher doch im italienischen Heere denKüssen stark, anfänglich sogar um mehr als das doppelte, überlegenwaren. Ausserdem kümmerte sich Suwaroff, im Kampfe schneidig,auf dem Marsche nicht sonderlich um genaue Keststellung der Marsch-richtungen und um genügende Verproviantirung, sodass manche Ab-theilungen bald zu weit auseinander kamen, bald sich gegenseitigden Weg versperrten.

Indessen liess sich der Feldzug zuerst glänzend an. In dreigewaltigen Schlägen bei Cassano, an der Trebbia und bei Movi,schlug Suworoff drei der besten französischen Generale, Moreau,Macdonald und Joubert und warf den Feind, abgesehen voneinigen festen Plätzen, die kaum in Betracht kamen, hinter denApennin zurück. Freilich war der Sieg in der zuletzt genanntenSchlacht bei Novi vorzugsweise den Oesterreichern, den immer er-