Buch 
Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
Entstehung
Seite
26
JPEG-Download
 

einen entscheidenden Schlag zu tlmn gewesen wäre, aber er wollteeben nichts tliun.

In dieser Stimmung erfuhr nun Suworoff den neuen Plan derverbündeten Mächte. Wann er jenes obenerwähnte Schreiben Paulserhielt 1 ), ist aus den Correspondenzen Suworoffs bei Puchs undMilratin nicht ersichtlich. Jedenfalls empfing er am 27. August dieerste offizielle Mittheilung über diesen Plan von Wien aus 2 ). Manhätte meinen sollen, er hätte mit Freuden die Gelegenheit ergriffen,von den ihm verhassten Oesterreichern und der lästigen Aufsichtdes Wiener Hofes loszukommen, um so mehr als er ja vorläufignicht mehr die Absicht hatte, gegen die Franzosen in Ober-Italienetwas Entscheidendes zu unternehmen. Allein er wollte Italien, nament-lich seine besondern Schützlinge, die Könige von Sardinien und Neapelnicht der Willkür der österreichischen Politik preisgeben. Bereitsgewöhnt gegen Kaiser Franz und Tlmgut zu intriguiren, wollte erauch auf diesem Felde nicht weichen und suchte daher seinen Ab-marsch nach der Schweiz möglichst lange zu verzögern, wenn nichtganz zu hintertreibefi. So richtete er 3 ) denn noch an demselbenTage ein Schreiben an Kaiser Franz, worin er betonte, dass er zu-nächst die Uebergahe von Tortona abwarten müsse. Dies wiederholteer dann in einem zweiten Schreiben am folgenden Tage (28. August)und fügte dann als unerlässliche Vorbedingungen des Abmarschesnach der Schweiz noch die Eroberung von Coni und Nizza und dieVertreibung des Feindes aus Savoyen und der Grafschaft Nizzahinzu. Natürlich war aber die letztere Aufgabe nicht zu lösen, ohnedie Eroberung der Kiviera und diese hätte Suworoff etwa 10 Tagevorher bequemer haben können. Er bemerkte dann, diese Unter-nehmungen würden zwei Monate in Anspruch nehmen, ausserdemaber sei kein russisches Corps genügend ausgerüstet, um getrenntvon den Oesterreichern operiren zu können; deshalb erbat er sichGeschütze, Munition, Pontons etc. und eine Anzahl österreichischerGeneralstabsoffiziere. Suworoff mochte über die Verhältnisse desHochgebirges nicht gerade genau unterrichtet sein, aber so viel wusste

1 ) Nach einer Andeutung- in einem spätem Schreiben (Mil. III, p. 383) wohlnicht vor der Wiener Meldung.

2 ) Schreiben des Kaisers Kranz vom 17. August (Mil. III, p. 380 ff.)

3 ) Suworoff befand sich damals in dem weinberühmten Asti.