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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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rechnen könne, und Korsakoff sagte dieselbe ohne weiteres zu.Bevor hier aber dieser zum ersten Mal in Action tritt, müssenwir einige Worte über dessen Vergangenheit und fernere Laufbahnsagen.

Alexander Michailowitsch Bimski-KorsakofF war 1753 geboren,hatte zuerst in der Garde gedient und soll sich auch der besondernGunst der Kaiserin Katharina erfreut haben, ohne dass wir dabeigerade an eines der zahlreichen intimen Verhältnisse der nordischenAgrippina zu denken hätten. Im zweiten Türkenkriege Katharinasdiente Korsakoff als Oberstlieutenant mit Auszeichnung und nahmauch an den Feldzügen gegen Schweden in Finnland Theil. ImJahre 1794 machte er im Gefolge des Prinzen von Coburg dessenOperationen in den Niederlanden mit, nachdem ihm Thugut in einemBriefe an den Grafen Artois 1 ) in sehr ehrenden Ausdrücken die Er-laubnis dazu ertheilt hatte. Im Jahre 1796 kämpfte er gegenPersien. In den ersten Jahren der Regierung Pauls kam er dannin verschiedenen Stellungen mit dem Thronfolger Alexander in Be-rührung und wusste sich dessen Gunst zu erwerben. Im Allgemeinengalt er damals als ein tapferer und kriegserfahrener Offizier, ober aber ein grösseres Commando zu führen verstehe, musste sicheben erst erweisen. Meyer macht in seinerSchlacht bei Zürichgeltend, dass ihn Kaiser Alexander wieder zu Ehren gezogen undihm die Stelle eines Generalgouverneurs von Wilna übertragenhabe, ein Amt, das er dann etwa 30 Jahre lang ausübte. Alleindies ist durchaus kein Befähigungsnachweis, denn es ist ein Anderes,einen militärischen Posten in Friedenszeiten 2 ) zu bekleiden und einAnderes, eine Armee im Felde anzuführen. Ausserdem soll es aberin Russland noch mehr als anderwärts Vorkommen, dass wichtigeAemter nicht nach Verdienst, sondern nach Gunst vertheilt werden.Die Humanität und Milde, die er nach Meyer später den Polengegenüber bewies, ehrt ihn als Menschen, gibt aber natürlich fürseine militärischen Fähigkeiten keinen Anhaltspunkt, ebensowenigsein und seiner Offiziere correctes Benehmen gegenüber den Schwei-zern. Selbst Meyer, der ihn sonst nach Möglichkeit zu entschuldigen

*) Korsakoff war der Umgebung desselben zugetheilt worden.

2 ) Bernhardi erzählt, dass Korsakoff dem Kaiser Alexander einmal ein Sopha-kissen stickte und dafür ein hübsches Damen-Arbeitskästchen als Gegengeschenkerhielt. (I, p. 155).