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werden, und dann mit verzweifelt ernster Miene und furchtbarem,heulendem Hurrahgeschrei gegenseitig auf der Rückseite der Gegnerwieder heraustraten. Sehr beschwerlich, ja später verhängnisvoll,war für die russische Armee ihr ungeheurer Tross. Die preussisclienRegimenter zählten im Durchschnitt 23—25 reglementarische Fuhr-werke (wobei natürlich die requirirten nicht gezählt werden können)und 300 Pferde auf 1800—1900 Mann, die russischen aber, diesonst an Stärke ihnen gleichgestellt waren, je 100 Fuhrwerke odermehr und je 400—500 Pferde, ein Umstand, der mit dem eigen-thüinlichen Verpflegungswesen der Russen zusammenhing. So betrugdenn die Anzahl der Pferde bei Korsakoffs Armee mehr als 21,000,also nicht viel weniger, als diejenige der Combattanten, und zu denletztem traten mindestens 5000 Fuhrleute, Bediente. Marketenderetc. hinzu.
Von der Cavallerie zogen besonders die Husaren (zu denenMiliutin auch die Tataren rechnet) durch ihre glänzende Uniformdie Aufmerksamkeit auf sich, waren aber wirklich eine tüchtigeund gut geführte Truppe. Die Tataren waren halb polnisch, halbtürkisch uniforinirt und bewaffnet. Die Kosaken ritten meistens nurin Compagnien (Sotnien) und ohne bestimmte Ordnung aus; die ge-meinen Soldaten trugen bei ihnen Kleider nach Belieben, keinebestimmte Uniform. Sie waren im Allgemeinen gutmüthig 1 ) undbettelten gern um Brod. Mit ihren sehr gewandten Pferden führtensie mancherlei Reiterstückchen aus. So ritten einzelne die ziemlichhohe Münsterterrasse herauf und, was jedenfalls noch schwieriger,herab. Vor dem Feinde zeigten sie sich in der Regel feig, warendagegen Gefangenen gegenüber mitunter grausam. Ihre Lagerhüttenhauten sie in derselben primitiven Weise, wie die Russen es nachdem Berichte eines Reisenden schon vor 300 Jahren thaten. Aucheinzelne Kalmücken trieben sich unter den Kosaken herum. Wieein merkwürdiges, von Meyer angeführtes Beispiel (p. 16) beweist,standen letztere noch auf einer ziemlich niedern Kulturstufe. DieArtilleristen endlich, Offiziere wie Gemeine, waren in der Verwen-dung der Geschütze ziemlich unerfahren.
Ueber die Offiziere (aus der Infanterie) im Allgemeinen warendie Stimmungen getheilt. Manche derselben scheinen allerdings in
0 d. li., wie Mever doch hätte erwähnen dürfen, bis zur Schlacht bei Zürich.