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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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grossem Pomp auf und umgab sich mit einem zahlreichen Gefolge.Seinem Hochmuth musste es schmeicheln, dass er von den Alt-schweizern als Befreier und Beschützer des Landes gefeiert wurde.An seiner Tafel herrschte ein grosser Luxus und er verstand es da-bei, die Honneurs zu machen, vergass aber über der Sucht zu reprä-sentiren die Hauptsache, eben die Kriegführung. Roverea stellt ge-radezu der würdevollen Haltung des Greisen Schultheissen Steigerden frivolen Leichtsinn des Höflings (la frivole leg&rete du courtisan)Korsakoff gegenüber. Da aber selbst Steiger es für ungeziemendhielt, Korsakoff unangenehme Wahrheiten zu sagen, so beklagtesich der altschweizerische Oberst selbst bei Korsakoff über die Aus-schreitungen seiner Soldaten. Dieser antwortete mit der Präge, waser thun sollte, worauf Roverea ganz richtig erwiderte:Magazineeinrichten und die Yertlieilung der Lebensmittel und des Puttersreguliren. Aber Korsakoff half sich mit der Ausflucht, die Eng-länder hätten dafür zu sorgen. Kun hatte England allerdings dieBesoldung und Unterhaltung des Korsakoff'sehen Corps übernommen,allein die nöthigen Anstalten dazu zu treffen, war doch gewiss zu-nächst Sache des russischen Befehlshabers und seines Stabes, zumalda die englischen Subsidien nicht etwa durch einen englischen Be-vollmächtigten, sondern durch Vermittlung des kaiserlichen Schatz-meisters Wassiljeff an Korsakoff gelangten. (Mil. I, Beil. 211, p. 442 ff).Nichtsdestoweniger wandte man sich an den englischen Commissärund dieser suchte zu helfen, so gut er konnte, allein es war schwerbei den Russen zu einem regelrechten Vertheilungsmodus zu ge-langen, da diese eben einfach das von ihnen besetzte Land als ihrzeitweiliges Eigentlium betrachteten. Indessen gelang es doch wiU-kürliche Requisition von Seiten der Regulären abzustellen, nichtaber von Seiten der Kosaken.

Noch ungünstiger als die bisher erwähnten und bekannten Be-richte lauten die freilich weit dürftigem Bemerkungen Johann GeorgMüllers in dessen erst kürzlich veröffentlichten Briefen an seinenBruder, den Geschichtschreiber. Da Müller in seiner VaterstadtSchaffhausen weilte und die Russen ganz in der Nähe ihr erstesLager auf Schweizerboden hatten, so hatte Cr reichlich Gelegenheit,ihre Gewohnheiten zu studiren. Auch er war ein entschiedener Feindder Franzosen und Lobredner der österreichischen Generale und ihrerTruppen. Zunächst weiss er, wie Hess, zu erzählen, dass die Russen