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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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selbst im Dienste der Ooalition focht, des Obersten ßoverea 1 ). Auchihm schien die unbequeme preussische Uniformirung der Infanterienicht zu gefallen. Im Allgemeinen äussert er sich dahin, dass dierussischen Truppen wenig geeignet waren, einenwissenschaftlichenKrieg (guerre savante) in einem G-ebirgslande zu führen, wo dieIntelligenz jedes Einzelnen von Bedeutung sei. Die Küssen ver-nachlässigten den Sicherheitsdienst und vertrauten zur Nachtzeit aufden Schutz von St. Nikolaus und auf ihre unbewegliche Postenkette.Als Hotze einmal in jenen Tagen zu Wasser nach Zürich fuhr, konnteer bei seiner Ankunft am Ufer ruhig über die festschlafendenWaohenhinwegschreiten. Ausserhalb des Dienstes erlaubten sich die Soldatenalles, um sich ihre Nahrung zu verschaffen und rächten sich grausam,wenn sie nichts mehr fanden. Die Generale traten mit dem Glanzeund der höfischen Eeinheit auf, die unter Katharina in Kusslandgeherrscht hatte; die niedern Offiziere aber erschienen als roh undunfähig, waren dahei höchst anmassend und "beriefen sich, wennman Genugthuung verlangen wollte, auf ein Duellverbot des KaisersPaul. Andererseits aber musste man doch die Tapferkeit und Aus-dauer der russischen Infanterie unbedingt rühmen, die sich aller-dings nur auf den Angriff mit der blanken Waffe verstand und imZielschiessen wenig geübt war. Audi für Manöver im Angesichtedes Eeindes waren die übrigens sehr tapfern Offiziere zu ungeschickt.Die reguläre Cavallerie war nach ßoverea wenig brauchbar. Da-gegen waren die Kosaken namentlich im Aufklärungsdienst sehrerfahren und machten durch Ueberraschung manchen guten Fang.Vor offenem Widerstande entflohen sie dagegen sofort, ßovereaschildert sie sehr anschaulich und erzählt einige recht bezeichnendeAnekdoten über ihr Verhalten zur Züricher Bevölkerung und zufranzösischen Gefangenen (II 224234). Von den Tataren erwähnter u. a., dass ihr Oberst seine junge Frau und seinen Knaben mitsich führte. Auch ßoverea tadelt scharf den Ungeheuern und schwer-fälligen Tross und die Unordnung, welche bei denselben herrschte.Beachtenswerth sind auch die Bemerkungen des Waatländers überKorsakoffs persönliches Auftreten, da er ihn eine zeitlang tägßchsah und genau beobachtete. Der russische Obergeneral trat mit

*) Memoires p. 221 ff. Ich verhehle mir nicht, dass Roverea in der Angabevon Zahlen und Daten oft ungenau und flüchtig ist. Aber ihm bei allgemeinen Schilde-rungen von Kämpfen und Zuständen zu misstrauen, sehe ich keinen Grund.