Buch 
Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
Entstehung
Seite
135
JPEG-Download
 

135

gewiss das Uebergewiclit gesichert hätte. Er durfte um so inehrmit einer starken Heeresmacht sich gegen Suworoff wenden, als erhöchst wahrscheinlich die Stärke der russischen Streitkräfte über-schätzte. Auch Molitor hätte viel schneller unterstützt werdenkönnen, als dies thatsächlich geschah. In diesem Falle hätte Suwo-roff trotz des lieldenmüthigsten Widerstandes im Muottathal dieWaffen strecken oder sich, wenn er das Aeusserste versuchen wollte,wieder über den Kinzig-Kulin zurückwenden müssen, was unterdiesen Umständen wohl einer fast vollständigen Auflösung seinesHeeres gleichkam, namentlich wenn dann Loison, wie dies auchwohl möglich war, sich ihm im Schächentlial vorlegte. Clausewitzhat ferner schon getadelt, dass Massena seine Zeit nicht gehörigausnützte. Davon wird weiter unten noch die Hede sein, aber jetztschon muss ich gestehen, dass ich diesen Tadel noch schärter fassenmöchte als Clausewitz. Wir sahen oben schon, dass Massena miteinem grossen Theil seiner Truppen schon am 27. in Schwyz, ja inder Nacht noch hätte in Muotta sein können. Freilich war daseine stramme Leistung, aber sie war möglich, wenn man die Märscheder Hussen und Lecourbes in viel schwierigerem Terrain in diesenTagen vergleicht. Jedenfalls aber hätten die Truppen Massenasbequem im Laufe des 28. in Schwyz eintreffen können, währenddie Division Mortier erst am 29. dort anlangte. J )

Massena selbst hat ohne Zweifel noch am 28. die Ankunft derBussen im Muottathal vernommen. Lecourbe hatte ihn auch schonam 27. über die muthmassliche Marschroute Suworoffs aufgeklärt.(Bousson du Mairet, p. 230). Kurzum wie wir auch die EntschliessungenMassenas seit dem 2ten Schlachttage von Zürich betrachten mögen,immer tragen sie entschieden den Charakter der Halbheit und Un-entschlossenheit und Clausewitz hat Recht, wenn er sagt, Massenahabe seinem Meister Bonaparte in den Feldzügen von 1796/97 den

*) Hierüber findet sich in zwei Schreiben Lecourbes, die beide nach liousson(p. 235/36) am 29. Morgens 8 Uhr niedergeschrieben wurden, ein merkwürdigerWiderspruch. In dem einen fordert er Mortier auf, schleunigst Schwyz zu decken,in dem andern, an Soult, schreibt er, die 4te Division, eben diejenige Mortiers, seischon in Schwyz angekommen. Ich folge dem erstgenannten Schreiben. Wahrschein-lich ist der Widerspruch so zu lösen, dass Lecourbe Mortier im Anmarsch aufSchwyz wusste und deshalb Soult die Ankunft der 4ten Division in diesem Orteals vollendete Thatsache meldete.