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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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umzingelt sei (II p. 250) 1 ). Jedenfalls wäre Suworoff liier an den.Unrechten gekommen. Molitor jagte die Kosaken zurück und liessden Pragei besetzen. Der russische Oberbefehlshaber erfuhr nunaber auch durch die Einwohner, vielleicht auch durch jene Kosakenund dann jedenfalls durch Linken die gänzliche Veränderung derLage, die Niederlage Korsakoffs, den Tod Hotzes und den Klick-zug seines Nachfolgers und Jellachichs und das Heranrücken grössererfranzösischer Streitkräfte gegen Schwyz. Suworoff war nun vonallen Seiten vom Eeinde eingeschlossen, denn auch der Rückwegüber den Kinzigkulm, an und für sich iin höchsten Grade misslich,,konnte von den Franzosen, wenn sie rasch und entschlossen handelten,,abgesperrt werden. Suworoff sah sich wieder vor eine grosse Ent-scheidung gestellt. Mangel und Erschöpfung nahmen immer mehrzu. Nach Tiesenliausen (a. a. 0. p. 540) hatte man den grösstenTheil des Proviants auf dem Kinzigkulm verloren, in Muotta aberfand man nichts als Zieger und Kartoffeln, eine Nahrung, mit dersich allerdings nur ein russischer Magen begnügen konnte' 2 ). ObSuworoff trotzdem zuerst beabsichtigte, nach Schwyz vorzubrechen,oder ob dieser Vorschlag voll österreichischen Generalstabsoffizieren,etwa von Weyrother ausgegangen ist (ersteres sagt der Erz-herzog II, p. 251, letzteres Miliutin IV, p. 99 nach russischenQuellen), will ich hier nicht weiter erörtern. Genug, der russischeOberfeldherr versammelte am 29. September einen Kriegsrath, überwelchen Miliutin nach denErzählungen eines alten Kriegers (Me-moiren eines anonymen, russischen Sergeanten, Mil. IV, p. 410 ff.)berichtet. Allerdings sind diese Erzählungen nicht immer zuverlässig,allein derKrieger stützt sich in diesem Falle auf den FürstenBagration, der natürlich am Kriegsrathe theilnahm. :! ) Bei der thea-

r ) Diese Behauptung wird, wie Hr. Stabsmajor v. Beding in dem schon er-wähnten Vortrage mittheilte, durch ein Schreiben Molitors bestätigt.

-) Dufour erwähnt am Schluss seiner Darstellung (unter Particularites, vgl..Boillot, Supplement) eine Erzählung, womach Suworoff, um dem Mangel an Lebens-mitteln zu steuern, durch die Priester einen Fasttag anordnen liess. Jedenfalls abererstreckte sich dieses Fasten nur auf den Fleischgenuss, denn nach dem Kloster-tagebuch und dem Tagebuch eines Mnottathalers nahmen die Russen fast alleBäben(weisse Rüben) und Kartoffeln weg, ebenso das Obst von den Bäumen, Käse, Vieh etc.Im Kloster verfuhren sie sehr unreinlich und verwandelten den untern Gang in einenPferdestall (Geschiclitsfreund VI, p. 133 und p. 157158).

3 ) Wobei immerhin zu bemerken ist, dass Bagration schon im Jahre 1812starb, dieErzählungen aber erst 1847 erschienen.