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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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haben dürfte und zählt andererseits, da er von mehr als doppelterUeberlegenheit SuworofFs spricht, offenbar schon das noch im Muotta-thal befindliche Corps mit. Bei solcher Rechnung hätte dann freilichSuworoff unbedingt durchdringen können und müssen. Sybel hatsich die Beweisführung zu leicht gemacht, in der Hauptsache aberhat er dennoch Recht.

Andererseits ist es nun allerdings eine starke Uehertreihung,wenn der Erzherzog sagt, Suworoff hätte seihst dann mit Gewaltdurchbrechen müssen, wenn er die ganze Hauptmacht der Eranzosenin der Nähe des Wallensees vermuthet hätte (II, p. 255), denn derVerlust wäre dabei nicht grösser gewesen, als bei dem Marsche überden Panixerpass. Eine solche Voraussetzung muss dem stärkstenZweifel begegnen. Sonderbar macht sich auch die Behauptung desErzherzogs, dass Suworoff' alle Ausgänge versperrt gewesen seien,während er im gleichen Athemzug sagt, dass erden noch einzigfreien Zug über Gletscher und unwegsame Gebirge unternehmenkonnte (ein Widerspruch, auf den schon Clausewitz hingewiesenhat (II, p. 209). Allerdings aber ist es, um SuworofFs Entschlussnach allen Seiten hin würdigen zu können, nöthig, auch die Be-schaffenheit des Panixerpasses näher kennen zu lernen; denn dieserkam einzig in Frage, wenn man einmal von einem Durchbruchabsah. Hierüber gerade sind nun aber die Anschauungen der Dar-steller des Feldzugs sehr getheilt. Des Erzherzogs Ansicht geht ausdem oben gesagten zur Genüge hervor. Ebel sagt, der Weg seiauch für Pferde gangbar; allerdings ist der Zusatz auffällig:DieserAlpenweg wird von den Bündnern der Segnespass genannt (II,p. 372). Wenn nun auch gleich nachher ein Jägerweg genanntwird, der mit dem Segnespass identisch zu sein scheint, so ist eineVerwechslung doch nicht ganz ausgeschlossen. 1 ) Clausewitz (II,p. 243) und nach ihm Bernhardi (I, p. 103) behaupten ebenfalls,der Weg sei für Pferde brauchbar, ja sogar die gewöhnliche Ver-bindung zwischen Glarus und Chur oder dem Vorderrheinthal. Dasist denn doch wohl stark übertrieben. Wer nicht besondere Eilehatte, wird auch damals, in der eisenbahnlosen und an Poststrassenarmen Zeit, den weit bequemem Weg über den Kerenzerberg nachWallenstadt und Sargans vorgezogen haben. Uebrigens stehen den

l ) Auch Wieland wirft merkwürdigerweise einmal Segnes- und Panixerpass zu-sammen (II, p. 154).