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Der Antheil der Russen am Feldzug von 1799 in der Schweiz : Ein Beitrag zur Geschichte dieses Feldzugs und zur Kritik seiner Geschichtsschreiber / von Dr. Otto Hartmann
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angeführten günstigem Urtheilen andere gegenüber. Jomini, dersonst diese Rückzugslinie vertheidigt, nennt den Wegnoch schreck-licher als denjenigen, den man einige Tage vorher gemacht hatte(womit er offenbar nicht den Pragei, sondern nur den Kinzigkulmmeinen kann). Er fügt hinzu:dessen Schwierigkeiten ein frischerSchneefall vermehrte, so dass also kein Zweifel darüber bleibt,dass er auch an und für sich diese Schwierigkeiten hoch anschlägt.Ganz ähnlich drückt sich die Relation raisonnee resp. Venangonaus. Auch Miliutin meint, der Weg sei noch viel schwieriger ge-wesen, als alle frühem Uebergänge und malt diese Schwierigkeitenromantisch aus (IV, p. 126) und Heer, doch wohl unter allen Ge-nannten als Glarner in diesem Falle der competenteste, nennt ihnden gefährlichsten und mühseligsten von allen. 1 ) Wie ist nun indiesem Wirrwarr von Angaben die Wahrheit zu finden? Ich wandtemich nach Glarus und erhielt von dort aus im wesentlichen folgendeAuskunft: Der Pass ist gangbar für Saumthiere, Gross- und Klein-vieh, für Fussgänger schwierig und anstrengend, aber hei normalenWitterungsverhältnissen nicht gefährlich. Im Jahre 1885 hat ihnsogar ein ganzes schweizerisches Bataillon ohne Unfall überschritten.Zu Ende des vorigen Jahrhunderts war er besser in Stand gehaltenals heute, weil er natürlich wichtiger war. Er bildete einen Theildes Hauptverkehrsweges, besonders für Viehhandel nach Italien.' 2 )Für die Russen wurde er nur wegen der schlechten Witterung, derspäten Jahreszeit und des Ausreissens der Führer verhängnisvoll.

Da auch diese Auskunft den Verfasser nicht ganz befriedigte,so entschloss er sich, den Pass selbst zu überschreiten und fand imwesentlichen die ungünstigere Auffassung bestätigt. Auf der GlarnerSeite steigt der Weg in einer Entfernung von vielleicht 5 / 4 Stundenhinter Elm sehr steil und steinig empor. Pferde und dergl. könnenjedenfalls nur mit Mühe hier passiren, ebenso auch der Abstieg der

b Auch Dufour sagt: La montagne, maumise en tout temps, ou les chevauxne penvent pasner quun ä nn et avee precautinn etc. (Boillot, Supplement, p. 32).

-) Hierzu erlaube ich mir doch ein Fragezeichen. Soweit dieser Viehhandelnicht über Chur ging, wird eher die Gotthardroute gewählt worden sein. Und, wennder Verkehr am Wallensee hauptsächlich zu Schiff bewerkstelligt wurde, so gab esdoch jedenfalls auch dort Pfade, die für den Viehtransport mindestens ebenso günstigwaren, als der. Panixerpass. Von regelmässigem Personenverkehr konnte auf diesemletztem jedenfalls nicht die Bede sein.