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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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gordnen Zeiten.

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Einen Seite einen Hofgeschmack (äs In vieiliscour), der über das Zeitalter Ludwigs nichts Erhab-neres, über Addison und Pope nichts Kunstmäs-sigercs kennet? Auf der andern Seite, wem sinddie neueren Horden unbekannt, die diese einst so be-rühmten Wecke des Geschmacks für wenig mehr alsfür Knabenspiele und abgekommene Tanzübungenachten? Scillnachdenkend erhebe die Göttin hier ih-ren Arm und messe und wäge. Jede verlebte Zeit,jece Natwn, alle gelten ihr gleich; Athen und Rom,Paris, Twikenham und Tibur. Ihre Greife schrei-ten über Völker, Lander und Zeiten.

Gäbe eS aber auch einen Maasstab des Wah-ren, Schönen, Guten für alle Völker, für alleZeiten? Daran lasset uns nie zweifeln. Was blosauf Nationalgeschmack, auf sogenannt-patriotischerPartheplichkeit, auf Eoguettcrie und eigensinnigemHumor, oder gar auf Wahnsinn, Frechheit und Uep-pigkeit, beruhet, fliegt auf der großen Waage, dieüber allen Völkern schwebt, bald aufwärts. An je-nem Lauterungsfeuer, das Zeiten nach Zeiten immerfeiner durchglüht, halt es bald die Probe nicht ausund verdampfet.

Kaum giebt es etwas Unterrichtcnderes, kaumaber auch etwas Schwereres, als ein solches G e r i c h tüber die Todten, und zwar über die größcstenGeister der Vorwelt. Den Prunk ihrer Zeit abge-legt, Geist vor dem Geist stehen sie da. Die Tubaeines leeren Rufs ist verhallet: die entfernte Echomurmelt vielleicht etwas ganz anderes, als was ihreNähe jauchze. Vollends die Irrwische, die Stern-schnuppen ? Ein Klümpchen Schlamm liegen sie amBoden.