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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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goldnen Zeiten. 107

wäre eben so widersinnig gewesen; als in unsrer Zeitsie anbetend erwecken zu wollen, kindisch. Wir woh-nen nicht mehr in jenen Ritterihümern, und fandenes äußerst unbequem, darin zu wohnen; wir reitennicht mehr in dieser Rüstung, und finden es besser,darinnen nicht reiten zu dürfen. Der' Abstandzwischen den Standen, der damals herrschte,trifft uns, wo wir ihn noch in Resten erblickten,schmerzhaft, und wo wir den R ittergan g derJdeenmit Spieß und Schild, den Mönchsgang derIdeen unter Tonsur und Kutte, den Stillstandaller Ideen endlich beym Volk unter solcherVerfassung entdecken, da schaudern wir mitleidig;und lassen unverständige Knappen die abgekommeneRüstung, Mönchsjünglein die Wegschaffung gemahl-ter Kirchenscheiben, und der ihnen ähnlichen Schrif-ten, Buchstaben u. f. bejammern. So ungeheureFehler das galante Heldcnthum des achtzehntenJahrhunderts an sich haben mochte; mit Jenem äl-tern, roheren, ist es nicht zu vertauschen.

Selbst die Poesie jenes Ritterwesens mußte sogewaltig modifrcirt werden, daß kaum mehr als einTraum der vorigen Zeiten in ihr zurückblieb: dennsind die Gedichte Ariosts und der Taßo's anders alsselbstgeschaffene Träume? Diese fortzusetzen,wehrt uns Niemand; nur bringe man in ihre alteSchlösser eine neue Haushaltung der Dinge, d. i.für uns eine annehmlich-poetische Wahrheit.

Die Feenmährchen waren eine der feinstenEinkleidungen, die mit dem Anfange des verflossenen