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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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235
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goldnen Zeiten.

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weise Warnungen und Vorschriften in Behand-lung der Schicksalsfabeln, in Erregung undBändigung der Leidenschaften gegeben. Welche Cha-rakter z. B. er zu wählen? wie er ihnen ihr Vcr-hängniß, uns unser Mitgefühl mit ihnen, unsreFurcht für uns selbst zuzumessen, zuzuwägen habe?ja wie es ohne dies Maas, ohne diese Waage keineTragödie gebe. "Denn ein Gemetzel von Empfindun-gen, ein Gewirr blinder Schicksalsstrciche ist demersten Begriff des Trauerspiels entgegen. Ebendazu tritt sie ja auf, die Tragödie, daß sie mit grös-sestcr Klarheit das über dem Helden schwebende Ver-hängniß darstelle, ihn bey jedem Schritt seines Be-nehmens mit Warnung, Bitte, Widerspruch, Furcht,Nach oder Tröstung begleite.

Daher auf Stellen, wo die Schickung zwey-schneidig vorliegt, und von jeder Seite Bemerkungverdient, der schnelle Wort- und Verswech-sel des griechischen Theaters. Uns scheinen sie affek-tirt, diese kurzen Satze, theils weil die Uebersctzungselten sie so rein und treffend geben kann, wie sieder griechische Zamb, Schlag auf Schlag, sanft oderkühn, immer aber rasch treffend giebt, theils weilwir aus unsrer Bühne ein so strenges Ausfechten desRechts und der Wahrheit, dessen was ge-schehen und nicht geschehen soll, nicht er-warten. Die Athener, an öffentliche Reden fürund wider, überhaupt an Staats- und Gerichts-kämpfe gewöhnt, liebten dergleichen leidenschaftlicheVernunftkämpfe. Und am rechten Platz, wer liebtesie nicht? Entspringt je ein reines Resultat, wo dieeinander gegenüberstehende Meynungen nicht aufs