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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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274 Früchte aus den sogenannt-

Da wir nämlich an Allen Unsers Gleichenauf gleiche Art, in gleichem Maase nicht theilneh-men können, müssen und dürfen, so soll die tragi-sche Dichtkunst uns lehren, an wem, und woran,und in welchem Maas wir theilnehmen sol-len, damit unsre Lheilnehmung vernünftig sey,d. i. damit sie sowohl gegen andre ihren Zweck er-reiche, als auch uns nicht selbst nutzlos zerkneke undaufreibe.

Den untersten Grad der Lheilnehmung nenntAristoteles menschenfreundliche (philaittropi-scke) Gesinnungen» wir sind sie Jedem unsresGeschlechts schuldig. Auf ihre Ausbildung soll Al-les wirken, Erziehung, Beyspiel, Lehre, Geschichte,Fabel, Mahrchen, die sämmtliche Dichtkunst.

Sind sie aber das Maas der Lheilnehmung,das die Tragödie in ihrer Hand hat? Aristotelessagt: „Nein!" und das mit Recht. Was durchalle Mittel bewirkt werden kann und soll, was mit-unter das Trauerspiel auch mit - bewirken muß,weil es sonst eine Kunst der Kannibalen wäre, darfund kann nicht sein eigner, besondrer undhöchster Zweck seyn. Mit Recht nennt Ari-stoteles also die nähere, höhere Theilnahme, die wirden Helden oder Heldinnen des Trauerspiels schen-ken, einen Affekt, Mitleid. Dies Wort unsrerSprache spricht die Sache selbst aus.

Wem schenken wir nun dies Mitleid? Dem?Dem? Dem? Der? Der? Der? Die schärfest-Prüfung wird diese Frage verdienen: denn eS wirdein Dolch an unsre Brust gesetzt, wenn wir diese,