goldnen Keilen. 27-
die zarteste Gabe unsres Herzens, das hohe tra-gische Mitleid, Unwürdigen geben sollen. Mör-der der Melpomene sind sie > die solche für Unwür-dige abfedern: denn nicht nur haben wir in unsermHerzen nichts weniger zu vergeuden, als dies Mit-leid, sondern da dieser niedrige Diebstahl, z. B. fürHuren und Buben, hier durch Mißbrauch der edel-sten Kunst geschieht, so ist der schlechteste Name,der genannt werden kann, „ein Kuppler!" für dentragischen Kuppler fast noch zu linde.
Werden wir nicht im Leben vom Mitleid genuggeängstet? Sehen wir nicht Hunderte mit unS lei-den, denen wir nicht helfen können? Tausende, de-nen wir nicht helfen mögen? Und ihr, die ihr siehvchstgerecht bestimmen solltet, verrücket unsdiese Waagschaale? Ihr verfälschet sie wissend so-gar, Dichter? Erlaubt, daß wir euch, zwar nichtwie Plato aus der Republik, aber aus unserm Her-zen vertreiben: „In dies Stück komme ich nie wie-der. "
Mitleid, das höchste Mitleid, welch einGeschenk! Bey jeder innigen Theilnahme geben wireinen Theil unsres Herzens hin, ja vielmehr, derGegenstand wohnt in unserm Herzen; wir theilensein Schicksal. Wollten wirs mit einem Unsinnigen,einem Berachtenswürdigcn, einem Schwächlinge, ei-ner Mörderin, Buhlerin oder irgend einem Gemei-nen, Niederträchtigen theilen? Hier also brenne dieGlut der schärfsten Prüfung! Nicht nur alles Ver-achtenswürdige, Schaamlose, Häßliche, Tollkühne,Freche, Eitle, Verführende brenne sie ab > sondernim stärkeren wie im schwächeren Charakter werdeder Punkt geläutert: „wiefern Er an feinem
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