276 Früchte aus den sogenannt-
Schicksal Schuld sey? und sich selbst Vorwürfezu machen habe? Denn machen Wir sie uns nichtstatt seiner?
Uns mit dem Schicksal zu versöhnen, jede Lei-denschaft in uns so zu läutern, daß sie ein Werk-zeug der Vernunft werde; dies ist der Zweck desDrama. Ueber Haß und Liebe, Freude und Trau-rigkeit, über Verdruß, Reue, Schwcrmuth, Stolz,Ehrgeiz und jede andre Begierde, nicht minder überNiedergeschlagenheit, Trägheit, Demuth u.^ f. gebie-tet es, daß jedes Unlautere h inweggethan,dagegen Zufriedenheit mit sich und mitseinem Schicksal, bescheidne Achtungund Fassung seiner selbst, hülfr eicheTheilnehmung amWohl und an der NothAndrer unser bleibender Charakter wer-d e. Welche Tragödie an ihrem Theil hiezu nicht,wohl aber dazu beytragt, daß unlautre, böse Affek-ten in uns genährt und gereizt werden, die sie miteinem falschen Schimmer umkleidet; die .holte ihrFeuer nicht vom Altar der Musen.
Dieß ist nun die Reinigung der Leidenschaftendie nach Aristoteles dasTrauerspiel beenden soll; er hat sie, nicht in derMoral, aber zu Ende der Politik, wo er von derMusik handelt, eben an den Wirkungen dieser Kunsterläutert. Dahin sie denn auch gehöret. Der reineWeise und Tugendhafte bedarf des Theaters nicht;wer aber Leidenschaften in sich zu laulern, wer mitsich und mit dem Schicksal zu kämpfen, oder sichmit ihm zu versöhnen hat, der komme und lerne.