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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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308
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ken über die Schranken treibt, sie und ihresgleichenEreignisse im Lauf der Welt, sind Lieblinqsinhaltder Volkslieder. Blickt vollends Nemesis ins Dun-kle , und führt von doctaus die Verbrechen hervor,indem sie solche aus Gräbern und Hölle ans Lichtfördert, dabey aber ihre Enthüllungen an solche undsolche, stille Zeichen und Winke knüpfet, desto mehrerhöhet sich das Grausenhafte, die Lieblings-farbe der Volksdichtung, bis wenn die Dienerinnender Adraftea, die Poine, Dike oder gar diegräßliche Erynnis erscheinen, jener Schrecken,der stumm macht, erscheint und gleichsam tantali-siret.

Nun bedarf es kaum eines Worts über dieFrage: ob Inhalt und Gesang gemeiner Volksliedergleichgültig seyn dürfen? denn wie könnten siedies seyn, da das Lied ein so gewaltiges Mittel aufsHerz zu wirken, ja gewissermaßen die unv erhole-ne Sprache des Herzens selbst ist? Mögees einsam oder gesellig gesungen werden; dort solles die Seele beruhigen, hier anfeuren; (immer aberbeschäftigt es sie;) kanns gleichgültig seyn, durchwelchen Inhalt, in welcher Tonart? und welche die-ser beyden die geheime Neigung unsres Herzens lie-be? Bekanntlich waren die Griechen auf die Be-schaffenheit sowohl, als den Inhalt der Musik, wo-mit Las Volk unterhalten, wodurch die Jugend ge-bildet ward, aufmerksam ; so geziemets.

Die Melodien; unsrer alten Volkslieder, da siemeistens dem Horn gehören, sind einfach; einfachder Anhalt, oft abenthcuerlich, oft grausam. In-deß haben wir andre, die zu edlen Gesinnungen auf-