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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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316
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3rü Früchte aus den sogenannk-

M angeln und Versündigungen gegen die Sprachebemerke ich nur folgende:

r) den schlecht angebrachten Accent, der auf unbe-deutenden Worten, oder auf falsch gebrauchtenSylben steht.

2 ) Das Schleppen, wodurch die Aussprache derWorte und Sylben über ihr natürliches Maasausgedehnt wird.

2) Das Stammeln, indem er aus einer Sylbe meh-rere macht.

4 ) Die Unvcrstandlichkeit, die aus den drey angege-

benen Umstanden zusammen entsteht.

5) Die Tautologie, oder unnütze Wiederholung, end-

lich

6 ) der volle Ausdruck der Instrumente, ohne Zweck.

Man gebe einem großen Sänger eine unsrerschönsten Arien, und lasse sie ihn in einer Gesell-schaft singen, die sie nicht schon kennt, so wird manfinden, daß die Leute von zehn Worten sicher nichtdrey verstehn. Daher die Gewohnheit, daß man inConcerten und .Opern, in den Handen derer, diedasjenige, was die besten Sänger singen, gern ver-stehen mögen, Bücher sieht. Nimmt man dagegeneinen von diesen schönen, mit Noten überfüllten Ge-fangen, und.liest die Worte desselben ohne die Wie-derholungen, so findet man die Zahl derselben sehrgering, diese aber mit einem Schwall von Notenüberladen. Vielleicht gestehst Du mir, l. B., daßin den alten Gesängen die Worte die Hauptsache ge-wesen , daß man dagegen in den neuern, wo sie, sozu sagen, bloß als Veranlassung zur Komposition