320 Früchte aus den sogenannt-
Ist dem Volke so viel Kunstsinn als
Sinn für Wah'rheit und Ehrbar-keit nöthig?
„Volksstimme, Gottesstimme" hieß es einst;und obwohl dies Lob über die Grenzen dessen, wor-über das Volk seine Stimme geben kann, nicht aus-gedehnet werden darf, so zeiget es wenigstens, daßin Sachen, die das Volk belangen, seinem Wahr-heitssinn Achtung gebühre. Die ersten Realkennt-niffe haben wir vom Volk erhalten, und es ist lustigzu denken, in welcher unwissenden Verlegenheit derPhilosoph a priori seyn würde, hatten durch einscherzhaftes allgemeines Einverstandniß Weiber undder gemeine Mann ihm die gemeinsten Erfahrungen,ewige Geheimnisse der Natur, verschwiegen oder falscherzählet. Jetzt noch hangen wir in den wichtigsten. Dingen nicht etwa nur von Nachrichten, sondern auchvon Urtheilen, Gesinnungen, noch mehr aber von derganzen Denkart und Beschaffenheit des Volks ab.Wer es sich zum Feinde macht, wer es zu verfin-stern, zu verblenden, zu berücken gedenkt, der sehezu, daß Er nicht von ihm berücht und verfinstertwerde.
Mit menschlicher Theilnehmung, mit freundli-cher Barmherzigkeit handelten also die Weisesten undBesten jederzeit gegen das Volk; das rein poxulrirautas war ihnen etwas Großes; auch indem, wassie dem Volk gaben oder entzogen, dachten sie edel-mülhig, redlich.
Ein