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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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319
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goldnen Zeilen.

3,9

des Geschlechts genommen ; und daher für das vorneh-me und für das gemeine Volk gesungen. Sie habennur das Volk eigentlich verstanden, und den mitseinem Körper thätigern Theil nn Auge gehabt, demes nicht sowohl am Verstände, als an der Gelegen-heit fehlt, ihn zu zeigen. Unter dieses Volk habenSie sich gemengt: nicht, um es durch gewinnstloseBetrachtungen von sein-.r Arbeit abzuziehen, son-dern um es zu seiner Arb.it zu ermuntern, undseine Arbeit zur Quelle ihm angemessener Begriffeund zugleich zur Quelle seines Vergnügens zu ma-chen. Besonders ahmen in Ansehung des letztem diemeisten von diesen Ihren Liedern das, was den AltenWeisen ein so wünschenswerches, ehrenvolles Dingwar, und was täglich mehr und mehr aus der Welt'sich zu verlieren scheint: ich meyne, jene fröhlicheArmuth, !u?ta xsupkrtss» die dem Epikur unddem Seneka so sehr gefiel, und bey der es wenigdarauf ankömmt, ob sie erzwungen oder freywilligist, wenn sie nur fröhlich ist.

Sehen Sie, mein Freund, das wäre ungefähr,was ich Ihren Liedern vorzusetzen wünschte, umden aufmerksamern Leser in den eigentlichen Gesichts-punkt derselben »zu stellen. Aber wo bin ich mitmeinen Gedanken? und wie wenig geschickt, den ge-ringsten Einfall so auszuarbeiten, als es die Stelle,die ich ihm geben wollte, verdiente?