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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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323
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goldnen Zeiten.

Aber was geschah ? Auf einmal nahmen wiruns zusammen, hüpften, sprachen übertrieben. Wieahmten nach, was irgend auf der Erde nachzuahmenwar, so wenig es für uns gehörte. Einen Bo i leau,Bayle, Voltaire, das französische Theater, dasenglische Theater, die italiänische Oper, die frecheRomanze, das unzüchtige Lied, ohne auch nur zufühlen, wie schlecht man nachahmte, wie grob undgröber Alles im Deutschen werde! Plumpe Solda-ten.-, Räuber-, Sauf- und Zotenlieder auf deutschenBühnen und Universitäten, fürs deutsche Volk, fürdie deutsche Jugend! —

„Damit aber wird dem Volk der Kunstsinngeschärfet!" Dies Kunstsinn? Die vortrefflichstenKothmahler, galten sie nicht allemal und allent-halben für niedrige Mahler? und wenn das Nie-drige zum Garstigen, das Garstige zum Widrig-ekeln,zum Abgeschmackten herabsinkt, indem ihm nicht nurjede moralische Grazie, sondern oft der ge-sunde Verstand fehlet; steigt ihr, um euren ei-genthümlichen Kunstsinn und Kunstgeschmack zu zei-gen, damit euch alle Nachbarn verhöhnen, so tiefhinab, ihr Deutschen? Vor euren Vorfahre»schämt ihr euch freylich nicht, da Ihr sie verhöhnetund nach einer neuen Ordnung der Dinge in Sachendes Geschmacks auf dem Kopfe tanzet; tanzt aber,' wenn es euch also beliebt, für Euch; warum vordem Volke? Wenn dies Gräcismus, Kunst-sinn der allein-ächten, seligmachenden Poesie ist;unser Volk wird dadurch nicht selig. Zerstört ihr, ikm se in Heiligthum, zerreißt ihm seine Religions-und häusliche Bande, an denen der Rest seiner