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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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349
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goldnen Zeiten.

Sängek als Vertrauter der Götter, als Ausleger derBegebenheiten und Verhängnisse redet; auch bat s:chjeder achte epische Dichter durch sie beurkundet: Ho-mer und Virgil, Dante, Mitten, Klap-st eck bildeten sich ihre Sprache, durch welchedann auch Klopstock, ob man sie gleich Anfangs ver-spottete, ungeheuer Platz gewann, und bcynah dieganze Dichtersprache der Nation umschuf. Ein rei-ches Feld für die Beobachtung sowohl, als für deneignen Gebrauch der Sprache; dem kindischen Nach-äffe«: aber ein Fallstrick zum Verderben. Er bleibtin ihr hangen; sein Geist ermattet; wie viel Dich-terlinge haben sich in Klopstocks lyrisch-epischerSprache erdrosselt. Würdiger ist sie indeß immer,als das „bethuliche zauberisch-verzuckerte" Spielwerk,das auf sie gefolgt ist, dem sogar oft die Richtigkeitfehlet. Geben die Götter uns epische Sänger, wennund wie oft es ihnen gefallt; nur seyn sie keineVerstandvekwirrer, keine Sitten - und Sprachverder-ber. Aufgesteckten Blutfahnen, verewigten Tropenund Hieroglyphen zu folgen — die Zeit sey endlichvorüber."

So sprach Agathen; und Olympikus nahmdas Wort, wie folget:

LV. Vom letzten Ziel deß epischen Ge-dichts.

Die Tragödie ist eine Poesie der Mensch-lichkeit: denn wegen eines kleinen Fehltritts, der