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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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354
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Z5ch Früchte aus den sogen an nt-

denqedichte als allegorische Maschinen erscheinen; ineinem ganz allegorischen Gedicht mögen dergleichenGespenster spucken und machiniren, nur bleiben sieeiner Erzählung fern, in der alles belebend« Wahr-heit seyn soll.

2. Der Name „göttlich^' ist der Epopee keinebloße Titulatur, kein übertriebner Ehrenname, son-dern Eigenthum, Wahrheit. Ein „Gotter zeug-te r, G o t tg cli eb te c" ist der epische Held; gött-licher Art sind seine Gedanken, seine Kräfte, seinGang, seine Gestalt, sein Beruf göttlich. Vermö-ge dieses Ursprunges und der ihm einwohnenden Artüberwindet er Hindernisse, schlagt schlechte Charak-tere nieder, gelangt zum Ziele. Wer wollte einemHelden der Art nicht auf seiner Bahn folgen? Wermöchte ihm Fehler anwünschen, weil geschrieben steht,daß der Held der Epopee kein vollkommnerCharakter seyn dürfe? Je vollkommner, desto mehrschlingen wir uns an ihn: denn er ist nur vollkom-men auf dieser seiner Bahn, was ihn sonst auchfür Fehler begleiten mögen. In den mit - oder ge-genwirkcnden Charakteren werden diese nicht man-geln. Dies wäre das ethische Epos.

Wie aber? wenn der epische Held eben keinGöttersobn, wohl aber mit göttlichen Gabenbegabt wäre? Da dürfen und müssen ihm viel-leicht, wie dem Achilles Zorn und Stolz, mancher-ley Fehler anhangen; Er mag für dieselbe, wieAchilles durch den Tod seines Patroklus, büßen müs-sen; diese Epopee wird leidenschaftlich, sta-tisch. Sie rückt der Tragödie naher; sie vollen-det sich ganz in der Menschheit. Damit wäre also