goldnen Zeiten. 355
dsr Streit geschlichtet, der über die Zuläfsigkeit unddem Gebrauch vollkommner Charaktere in der Epopeegeführt worden; für die Bühne schlichtet er sichanders.
3. Dcßgleichm dev mit mancherley Mißver-ständnissen gefübrte Zank über Fabel und Cha-rakter des Drama, deS Epos. Sagt Aristotelesdenn, daß eine Tragödie ohne Charaktere ge-rade die beste Tragödie seyn wHrde? Wohl aber,daß ohne sie Heldenspiele möglich seyn; keins aberohne Fabel. Und dies besteht mit der Wahr-heit. Eine Fabel muß da seyn, zu-der Charak-tere gehören, durch ihre Gegen - und Zufammenwir-kung vollführt sich, sofern sie an Charakteren hangt,die Fabel.
Richt aber ganz darf sie sich durch sie voll-führen: denn es giebt über ihnen allen ein Göttli-ches, ein Verhän gn iß. Dies eben webt dieFabel; es bedienet sich der Charaktere, durch siewirkend: nicht aber, daß es ihnen dienen, allesaus ihnen herlangen, alles durch sie thun müsse:denn wie Vieles, das Entscheidendste oft, hangt imLauf der Begebenheiten von Umständen, von unver-meidlichen Zufällen ab, weder vom Charakter, nochvom Verstände! Die also in der Epopee, wie imTrauerspiel den Charakter oben an setzen und ausihm, wie in der Poesie überhaupt, Alles, Alles her-leiten wollen; knüpfen Fäden, die an nichts hangen,und die zuletzt ein Windstoß fortnimmt. Lasset bey-den untrennbar ihren Werth, der Fabel und demCharakter; oft dienen beyde einander und vertauschenihre Geschäfte, das Göttliche dem Menschlichen, die