36o Früchte aus den sogenannt-en Sprache blieben sie fremden Völkern indeß einvergrabener Schatz, ein Lüftchen, das in jenen ein-samen westlichen Gegenden, wie auf einer Gei-ster-Insel tönte. Erst mit dem Anfange desverflossenen Jahrhunderts sing eine nähere Kunde je-ner Gegenden an, und das Jahrhundert verlief überdie Hälfte, ehe die „traurig-süße Harfe, dieStimme vergangener Zeiten" Europa undder Welt ertönt«. Unbefangene Gemüther haben siemit Verwunderung, mit Freude und Entzücken ge-hört; andre, mit Vvrurtheilen ihrer Sprachen um-strickte, einem andern Geschmack ergebene fanden sieleer und unermüdend; Voltaire verglich sie gar mitdem Jagdgcbell auf jenen nackten Gebirgen. Wiedem auch sey, Mac-Phersons, des Sammlersund Ordners, Blairs, des trefflichen Eommenta-tors, Smiths und aller ferneren Förderer der ga-sischen Gesänge Verdienst dauret, und wird mit wach-sendem Ruhm dauren. Wer zur Bekanntmachungder Gedichte selbst in der Landessprache zu ihrer Er-läuterung aus solcher und der Landesmusik beytragt,den erwartet ein neuer Ruhm: denn cme Sprache,in welcher menschliche Empfindungen dieser Art er-klingen, sie muß nicht aussterben, kann und darfauch forthin als eine barbarische Sprache betrachtetwerden. Dem angefangenen Jahrhundert stehen die-se längst gehoffre Verdienste und Beschäftigungenbevor.
Die angenehmste Gestalt indeß, in der OssiansGedichte sich mir zeigten, war nicht die epische, son-dern die ursprüngliche, die simpelste und erste, da sie