362 Früchte aus den sogenannt-
wus in Figuren haben möchte, wie man vereinst,als Bücher selten und theuer waren, sich an einerArmenb ibel in Holzschnitten begnügte. Für Kin-der mag so etwas gelten, auch an den Fensterschei-ben der Kirche und Klöster waren diese Gemähldenicht unrecht; willst Du aber, daß der menschlicheGeist ein Kind bleibe, daß das menschliche Herz andeinen gemahlten Ulpssen und Polpphemen erlechze,daß eine Armenbibcl dieser Act gar Maasstab Ho-mers, Ossians werde, so wisse, Freund Pinsel, fürDeine kindische Graphik hat weder Homer, noch Os-sian gedichtet. Gerade wo der Pinsel verstummt, undder Stimme nicht folgen kann, d. i. wo die GestaltGeist wird, und durch Ohr und Auge im Herzenwohnet, gerade da wirken und schweben die Geister.Und in Ossian waren keine dergleichen ? keine Geister,keine Gestalten? Ware Ossian ein Engländer, langststünde in London eine Ossian-Gallerie da, OnsLoUiling der Eingang, das Büchlein gratis.
Kein Wunder, daß die Culdaer gegen Os-sians Gesänge und Geschlecht so erbittert waren.Hier waren keine Götzenbilder, keine Gespenster zubannen, keine Dämonen zu vertreiben; unvertreiblichwohnten die Gestalten in Seelen, in Herzen die Dä-monen. Man lebte und starb aus diese Gesänge undihren Inhalt; bey Männern war an keine Grillen-hangerey, bey Weiber an kein Wollust-Pfuschen zudenken, wodurch man andern Nationen das Netz an-zuknüpfen wußte. Hier bestand Alles im Gebiet undin der Form armer, beschrankter, aber reiner Mensch-heit, dem falschen Blendwerk der Sinne wie unzu-gangbar.