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12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
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Homer und Ossi an.

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merheitern Asiatischen Himmel geht Eine Heldenge-stalt nach der andern hervor und laßt keinen Zugihrer Handlung, ich mochte sagen, kein Glied, mitwelchem sie wirket, in ungewisser Deutung, Auch fürdie Sonderling der Gruppen hat Homer dergestaltgesorget, daß selbst im wilden Schlachtgeiümmel dasAuge des Zuschauers ohne Nebel und Verwirrung blei-bet. Und was den Jaden des Gedichts betrifft, so ent-'wickelt sich solcher aus dem Knauel der Geschichte soununterbrochen und ruhig, als ob die Hand derParze ihn führte.

Bey Ossian ist alles anders. Seine Gestaltensind Nebelgestalten, und sollten es seyn; aus demleisen Hauch der Empfindung sind sie geschaffen, undschlüpfen wie Lüfte vorüber. So erscheinen nicht nurjene in Wolken wohnende Geister, durch welche dieSterne durchschimmern ; auch die Gestalten seiner Ge-liebten deutet Ossian mehr an, als daß er siedarstel-lete und mahlte. Man höret ihren Tritt oder ihreStimme; man siehet den Schimmer ihrer Arme, ih-res Antlitzes wie einen vorübergleikenden Strahl. IhrHaar fliegr sanft im Winde; so schlüpfen sie her; sovorüber. Gleichergestalt mahlet er seine Helden, nichtwie sie sind, sondern wie sie sich nahen, wie sie erescheuen und verschwinden. Es ist eine Geisterwelt inOssiin, statt daß in Homer- eine leibhafte Kvrperweltsich beweget. In ihm siehet man die Handlung,die nan in Ossian an Tritten, Zeichen und Wirkun-gen gleichsam nur ahnet. Was endlich die E s-postion der Gedichte betrifft: so hätten Mac-Ph'rson und Blair sich hüten sollen, hierin bey-de Dichter auch nur zu vergleichen. Bey Homer er,zähle sich alles selbst; Eins folgt aus dem andern

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