Buch 
12 (1821) Früchte aus den sogenannt-goldnen Zeiten des achtzehnten Jahrhunderts / Johann Gottfried Herder
Entstehung
Seite
405
JPEG-Download
 

Homer und Dssiqn. 4»5

A. Was folgt daraus?

B. Nation- und Zeikmaßig folgte daraus we-nig. Als man Lohenstein und Hofmanns»wald au verspottete, mußte derselbe Hagedornbald sagen:

Allein wie viele sind von denen, die Dich schmäh»,

Zu metaphysisch schwach, wie Du sich zu vergeh» *).

Erinnern Sie sich des schlaffen, sinnlosen Geschmacksder Neukirch-, Besser-, K ö n i g i sc h e n Zeiten !Und dennoch waren diese Reimer gegen einander sogrob: man wähnte die Poesie der Deutschen so hochauf dem Königsthron, über alle Völker erhaben.

A. Das war von jeher der Fall, schon zuVüchner's, zu Weise's, zu Uhsen's Zeiten;und es urtheilten so selbst Die, die Griechen undRömer auslegten. Was folgt daher?

B. Daß uns Deutschen Geschmack zu habensauer angehe, und fast, den meisten wenigstens,höchst gleichgültig/ey. Wir lieben den Wasser - oderLuftreichen Schwulst, vor allen das selbstzufriedne,gedankenlose Epos. Bon Stoppe Fabeln zuSchöneichs Hermann. —

A. Setzen Sie noch hinzu, daß uns von die-ser Wind - und Wassersucht weder Witz noch Spottheilen möge. Liskow spottete des Philippi, Les-sing Gottscheds, wie manchen Philippi undGottsched giebt es noch, hochverehret! Wie 170»,so fand das Jahr 1801. den schwülstigen Lohcnstein-schen, oder jenen nervlos-schlaffen Geschmack, den ich

') S. 299.