qro Homer und Ossian,
oder werden wir gar gewöhnt, falsch zu konfigu-riren; staunen wir Schattenbilder an, und ermü-den uns wie Lastthiere, falsche Idole als Heilig-thümer zu tragen: so liegt die Schuld an uns, nichtan der Sache. Ohne Dichtung können wir einmalnicht seyn; ein Kind ist nie glücklicher, als wenn esimaginirt und sich sogar in fremde Situationenund Personen dichtet. Lebenslang bleiben wirsolche Kinder; nur im Dichten der Seele, un-terstützt vcm Verstände, geordnet von der Ver-nunft, besteht das Glück unsres Daseyns. Laßuns, Frey, diese unschuldigen Freuden; laß sieuns. Die Fiktionen der Rechtswissen-schaft und der Politik sind selten so erfreu-lich, wie sie.
F. So dichte denn fort, Alfred.
A. Ich fragte Dich, ob es einem Volk nichtangenehm, bequem und nützlich sey, eine in sei-ner Sprache entsprossene Mythologie zu haben;mich dünkt, die Geschichte der Völker gebe darüberAuskunft. Was z. B. gab den Griechen die schöneUebereinstimmung ihrer Bilder in Kunst, Weisheitund Dichtkunst? woher, daß ungeachtet aller Lokal-und Zeitverschiedenheiten eine gewisse große Regeldes Geschmacks in allen ihren Werken festste-het? Unter andern daher, daß Alles, was sie auchvon andern Nationen nahmen, sie sich eigen mach-ten. Sie originirten es bey sich, sie idioti-sirten es in ikrer Denkart und Sprache, DieRömer dagegen hatten für sich eine harte Mytholo-gie, bey welcher sie griechische Dichtungen und Bil-der zwar oft als ein fremdes Spielwerk brauchten,