H o m e r u n d O s s i a n. § ^
den? Bon Kindheit auf wird uns sodann dieIdeenwelt dieser Lichtungen näher und inniger; mitdem Stammwort jeder derselben vernehmen wir so-gleich ihren ersten Begriff und verfolgen ihn in sei-nen Zweigen und Abtheilungen leicht und Vernunftsig. Alles in der Einkleidung Enthaltene dünkt unsglaubhafter, natürlicher; der dichterische Sinn, ei-ner Sprache genialisch eingepräget, scheint mit ihrentstanden, mit ihr gleich ewig.
Frey. Ich wollte, daß keine Dichtungen inder Welt waren! Wir mühen uns mit dem Ge-rüst, und vergessen das Gebäude. In der Kindheit,wie viel Zeit wird auf's Lernen der Mythologie ver-wandt und verschwendet. Vor lauter Hüllen lernenwir den Kern, vor lauter Dichtungen die WahrheitNicht finden ; an jenen verwöhnen wir uns dergestalt,daß wir zuletzt mit den heiligsten Sachen tändeln.Wir wollen immer Hülle, Einkleidung;was sich nicht in einer schönen Gestalt zeigt, istauch nicht wahr; es wird vergessen und verachtet.Selbst der eigne Dichtergeist erliegt unter einer her-gebrachten Mythologie; vielmehr der Sinn, derdie reine Wahrheit sucht, und den man bey Dich-tungen immer doch in ein Schattenreich alter Perso-nifikationen verweiset.
A. Ich hatte nichts dagegen, wenn wir andersorganisirt waren; nun sind wir aber, was wir sind,Menschen. Unsre Vernunft bildet sich nurd u r c h F i c t i o n e n. Immerdar suchen und er-schaffen wir uns ein Eins in Vielen und bildenes zu einer Gestalt; daraus werden Begriffe,Ideen, Ideale. Gebrauchen wir sie unrecht,