Homer und Qssiatt. 429
begriffen ist, den erwartet ein noch schrecklicherer Ort,das Leichmufec, der Nastrand; dagegen die Ta-pfern, du Würdigen, treue Gatten, redliche Freunde,in den Hallästen der Freude, des Friedens undder Freundschaft, in Wingolf und Glad-heim wihnen. Hast du bemerkt, Frey, woherdiese Nordlander an ein Fortleben nach demTode so fest glaubten? Weil sie tapfer und gesunddachten. Nur ein Feigherziger vergehet im Tode; erfühlet oder wünscht sich aufgelöset und vernichtet.Der gesunde Mensch lebt fort; das Nichtseyn istihm Nichts? es ist ihm nicht denkbar. Glaubst Du« nicht, dcß Erzählungen aus jenen Pallästen des^ Friedens und der Freundschaft rührend und's gefällig seyn werden? Der Freundschaftsbundr bis auf den Tod war diesen Tapfern der heiligstet Augenblick des Lebens; das Wiederfinden in Win-? golf war ihnen also auch ein Lohn der Freundschaftnach dem Tode; ein süßer Lohn.
I Noch muß ich Dich an jene grosse Esche erin-I nern, deren Zweige sich über die Welt verbreiten,r deren Gipfel über die Himmel hinausreicht. Sie8 hat drey weit von einander entfernte Wurzeln, bey^ den Göttern, bey den Riesen, unter der Hela. Ander mittleren Wurzel ist der Brunn der Klugheit,Mimers Brunn; an der himmlischen Wurzel istdie heilige Quelle, bey welcher die Götter Rath hal-ten und ihre Urtheile kund thun. Immerdar steigenaus dieser Quelle drey schöne Jungfrauen hervor,Urda, Verandi, Skulda, das Vergangene, dieGegenwart und die Zukunft. Sie sinds, die denRath der Götter, der Menschen Schicksal undHeben