82 1 . Begebenheiten und Charaktere
rückte. Zu Ludwigs Zeiten würde weder Riche-lieu, (einen Colbert an der Hand,) noch derharte Timenes selbst Maasregeln der Art ge-nommen , noch weniger sie auf eine Weife ausge-führt haben, die bey verschloßnen Gränzen aus denschönsten Provinzen Frankreichs die edelsten, bewerb-samsten, wohlhabensten, sittlichsten Geschlechter höchstwohlmernend zum Lande hinausjagte. So sollte esindeß seyn! Den vorigen Verblendungen folgte diesenatürlich; er war Europa diese Vergütungschuldig.
Die Wege der Sterblichen, auch ihre grausam-sten Irrwege laufen immer doch der hohen Machtin die Hand, der sich nichts entwinden kann, diealles zu brauchen weiß und alles zum Bessern len-ket. Jener Rosen-, Myrthen- und Lorbeerkranz,der die jugendliche und männliche Stirn Ludwigsin hundert Künsten des Schönen geschmückt hatte,war welk und dahin; was in diesem Kranze, ob-wohl ungefällig an Gestalt, zur Frucht für andreNationen gereift war, auf hundert Wegen sollte esunter diese gesäet werden, und Ludwig selbst sollteder Saemann seyn. Mehr als seine politischen Un-terhandlungen und Kriege, mehr als die schmeicheln-den Briefe, die man hie und da an auswärtige Ge-lehrte geschrieben hatte, auch wohl mit Geschenkenbegleitet,'wirkte jene Vertreibung der Hugonottenzu Errichtung eines Französischen Staatsin Europa, anders als Ludwig ihn dachte.
Die Flüchtigen aus Frankreich brachten Gewer-be , Künste und Kunstfleiß in andre Länder; dasB ücherschreiben gehörte mit darunter: denn