der Humanität. 33
So auch mit andern Nationen. Die Naturhat ihre Gaben verschieden ausgetheilt; auf unter-schiedlichen Stammen, nach Klima und Pflege wach-sen verschiedne Früchte. Wer vergliche diese untereinander? oder erkenncte einem Holzapfel vor derTraube den Preis zu?
Vielmehr wollen wir uns wie der Sultan So«liman freuen, daß auf der bunten Wiese des Erd-bodens es so mancherlei Blumen und Volker giebt,daß dieffeit und jenseit der Alpen so verschiedene Blü«then blühn, so mancherlei Früchte reifen! Wir wol-len uns freuen, daß die große Mutter der Dinge,die Zeit, jetzt diese, jetzt andre Gaben aus ihremFüllhorn wirft, und allmählich die Menschheit vonallen Seiten bearbeitet.
Denn es scheint so wohl geistige als physischeNothwendigkeit zu seyn, daß aus der Menschen-Na-tur mit der immer veränderte» Zeitfolgc alles hervor«gelockt werde, was sich aus ihr hervvrlocken laßt.Mithin müssen mit der Zeit Conlcariekäten ansLicht kommen, die sich endlich doch auch in Harmo-nie auflösen.
Offenbar ists die Anlage der Natur, daß wieEin Mensch, so auch Ein Geschlecht, also auch EinVolk von und mit dem andern lerne, unaufhörlichlerne, bis alle endlich die schwere Lection gefaßt haben: „kein Volk sei ein von Gott einzig *) außer-wählteS Volk der Erde; die Wahrheit müsse von al-
*) FLr immer, zu allem. SÄ/"
Herders Werke z. Phil. ». Gesch. Xl. C