Ü2
Briefe zu Be firderung
Der Seide-nfaden.
„Mir gebühre« die Ehr«! Ich .bin nicht gegrabenesGold nur,
Aus der Fäule der Erd' und rohen Felsen gescharret;
Ein lebendig Geschöpf ernährte zu feinerem Saft mich,
Zog mich aus seinem Busen und spann mit Kunst und
Geschick mich.
Jctzo tragen die Könige mich und die Herren an Festen;
Weit gefälliger bin ich, als. Dein beschwerlicher Reich-thum."
Der Leinfaden.
„WaS erzählt Ihr euch hier? und sprecht von eurenVerdiensten?
Bin nicht Ich der Erde, des Wassers holdester Zögling?
Mich erzeugte die thauende Nacht; der strahlende Him-mel
Siehet mit Wohlgefallen auf mich. Die goldenen Fäden
Unterstütz' ich allein; sonst würd' ihr nichtiger Schimmer
Bald verschwinden. Ich halt' und trag' empor sie zum
Glänze;
Und verbarg mich bescheiden, verlange nicht selber zu
schimmern."
Also sprachen die Drei. Und was geschahe? Sietrennten
Zürnend sich von einander, und rissen, und wollten nicht
weiter —
Nun lag ohne Zierde das Band, und ohne Gestaltda;
Das in stolzer Schöne vorhin die Hüfte gegürtet,
Halte nicht Form noch Werth; verachtet siel es zur Erde.