6c>
Briefe zu Beförderung
schwerere Weise ausüben, gesetzt, daß sie, auchkeine neuen großen Resultate erjagten, wären mirsehr gefällig. Ein Mensch, der sich um Wahrheitbemühet, ist immer achtenswerth, wer bei un-schuldigen Bestrebungen nur Zwecke hat, ist nieverächtlich, gesetzt, daß diese auch bei weitem nichtEndzwecke wären. Denn was ist Endzweck inder Welt? wo liegt das Ende? Jedes gute Be-streben, aber hat seinen Zweck in sich.
Mögen die Philosophen alter und neuer Zeitenkeine, einzige Wahrheit ausgemacht haben, (welchesdoch ohne Wortspiel.nicht behauptet werden kann) gnug,sie bestrebten sich um Wahrheit. Sie erweckten denmenschlichen Verstand, hielten ihn im Gange, führ-ten ihn weiter; alles, was er auf diesem Gangeerfunden und geübt hak, haben wir also der Phi-losophie zu danken, wenn sie gleich selbst nichtsbätte erfinden können und mögen. Der philoso-phische Geist ist schätzbar; die ausgemachteMeister- und Aunftphilosophie bei weitem nicht sosehr, ja sie ist dem Fortbringen oft schädlich.
Insonderheit ist der philosophisch-mora-lische Geist, der die Sitten der Menschen be-trachtet, ihre Farben scheidet, und wenn ich sosagen darf, ihr Inneres auswärts kebrt, eine wahreGabe des Himmels, ein unserm Geschlecht unent-behrliches Gut. Stimme man nicht das alte Liedan: „Menschen sind Menschen! sie sind, was,,fie waren, und werden bleiben was sie sind. Hat„alle Moralphilosophie sie gebessert?" Denn diesemfaulen trübsinnigen Wahn stehet mit nichlen die