63 Briefe zu Beförderung
gern von der fröhliche» Seite an und hasset dengrübelnden Tadel.
Ueber den Tacikus änderte sich mein Urtheil, alsich ihn in reifern Zähren las. Ich kam davon zu-rück, daß er ein Sauertopf sey, der üble Gerüchteund politische Grübeleien zusammengemischt hatte,(ein gemeines, aber äusserst falsches Urtheil;) wiesehr wünschte ich, ihnen auch den Areopagiten Kor-don, frei von seinen Schlacken, (Brittischeu Ver-gleichungen und Epanorthosen) bloß als einen lichtenund leichten Versuch über die Humanitätdes Tacikus zusenden zu können 1 Nicht leichthat ein Schriftsteller so viele Gemüther tiefer an sichgezogen, als dieser Römer; wer ihn studierte, wardmit Geist und Sinn der Seine. Daher so vieleEommcnlatoren des Tacitus; je redlicher es jemandmeynte, je mehr er die politische Welt aus eignerErfahrung kennen gelernt hatte, desto mehr liebte erden alten Geschichtschreiber und ward gar selbst seinEommentator.,
Was Kordon über des TacituS Charakter, überseine Denkart, seine Beschreibungen, seine Grund-sätze, seine Moral, endlich über seine Schreibart be-hauptet, sagt eher zu wenig, als zu viel; so manchesauch die lateinischen Stylisten, selbst der gute LordMonboddo dagegen einzuwenden haben möchten *).Nach allen Vorübungen, die wir im Deutschen als
*) Bor der chveybrücker - Ausgabe bei TarituS istCrolliuS lang« Borred« über dirs« Materie sehrschätzbar.