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Briefe zu Beförderung
Daß Augustin und Petrarca von aller Eitelkeitfrei gewesen, wage ich nicht zu behaupten; sieleugnen eS beide nicht, und eine feine Ader davonläuft durch ihr ganzes Leben. Schwerlich würdensie auch in allem die Männer geworden seyn, diesie waren , wenn nicht dieses Ferment von Unruhein ihnen gewirkt und gegähret hatte. Ferne abersevs, daß insonderheit Petrarca, den ich besserals den heiligen Augustin kenne, von so groberEitelkeit gewesen wäre, daß er seine Confessionennur für die Welt, oder wenigstens für dieseund für sich zur Hälfte geschrieben hatte.Er hat sich in ihnen sowohl als in andern Schriftenund Briefen so wenig selbst geschont, und über-haupt den Grund seines Herzens auch in Schwach-heiten und Fehlern so klar gezeigt, daß, wenn erdiese Eitelkeit bei sich wahrgenommen hatte, er sievor allen Eitelkeiten seinem heiligen Augusiinus zu-erst offenbaret haben würde. Ein gleiches ists wohlmit dem heiligen Augusiinus. Beide backen in Gu-tem und Bösem die Welt so lange und viel vonsich reden gemacht, daß es ihnen selbst fast zur mo-ralischen Nothwendigkeit wurde, sich selbst und andreüber den wahren Zustand ihrer Gesinnungen, ihresHerzens, ihres Charakters zu belehren: sie tratenalso nicht als eitle Gekken hervor, um der Weltdas zu sagen, was niemand wissen wollte: viel-mehr als bescheidne Büßende traten sie vor den Al-tar, um ihr reurges Bekenntniß öffentlich abzule-gen. Seelen von solcher Aufrichtigkeit, wie z. B.Petrarca war, giebt es selten; und da sich mitihr auch eine gewisse Redseligkeit, eine be-zauberndschöne Gesprächigkeit in Mittheilung aller