Briefe zu Beförderung
io8
Nur wenig also werden dich begleiten
Und um so mehr bitt' ich, anmuth'ge Seele, *)
Verfolge deine große Unternehmung!
Die ihr in meinen Reimen jene SeufzerVernehmt, mit denen ich mein Herz einst nährte,AIS ich im ersten jugendlichen IrrthumJum Theil ei» andrer war, als der ich jetzt bin.
Ach, wer von euch die Liebe selbst erfahren,
Der wird mir, wenn ich weine, wenn ich redeDon eitlen Hoffnungen und eitlen Schmerzen,Mitleiden doch, wo nicht Verzeihung schenken.
Wohl seh ichs jctzo ein, welch eine FabelIch lange, lange Jett dem Volk gewesen;
Worüber dann ich oft vor mir erröthe-
Und dies Errilhen ist von meinen Fehlern
Die Frucht nun, samt der reuig - klaren Einsicht,
Daß, was der Welt gefällt, ein kurzer Traum sey.
Was thust, was denkst du? schauest immer rückwärtsAus Zeiten, die nie können wiederkehren?
Trostlos« Seele, giebst noch immer NahrungDem Feuer, da« dich brennet und verzehret?
Die sanften Worte, jene süßen Blicke,
Die all' und jede du dir sangst und mahltest,
') Das Gannett war eine Antwort auf das Sonnett einerDichterin mit den von ihr selbst gebrauchten Reimen.