Band 
Adrastea III.
Seite
145
JPEG-Download
 

bll"i dtr'iHuÄrirniiat. 145

Stände ritte völlig fremde Sprache angenommen,eine fremde Erziehung und Lebensweise beliebt ba-den. In dieser fremden Sprache sind seil einemJahrhunderte unter den genannten Standen die Ge-sellschaftsgespräche geführt, Staats - Unterhandlun-gen und LicbcShändel getrieben, öffentliche und ver-traute Briefe gewechselt worden, so daß wer einigeZeilen schreiben konnte, solche nothwendig vormalsitalienisch, nachher französisch schreiben mußte. Mitwem man Deutsch sprach, der war ein Knecht, einDiener. Dadurch älso hak die deutlchc Sprachenicht nur den wichtigsten Theil ihres Publikumsverloren, sondern die Stande selbst haben sich derge-stalt in ihrer Denkart entzweiet, daß ihnen gleich-sam ein zutrauliches gemeinschaftlichesOrgan ihrer innigsten Gefühle fehlet.Beide sind auf ihrem getrennten Wege nicht so weitfortgeschritten, als sie in Wirkung und Gegenwir-kung auf einander hätten kommen mögen, indemder Eine Theil meistens an Phrasen, an Wortenohne Gegenstand, leer von innerer Bildung hangenbleiben mußte; dem andern hingegen bei aller Mühedes Fortstrebens ewig und immer eine Mauer ent-gegengestellt war, an welcher leere Schalle zurück-prallten. Ohne eine gemeinschaftliche Landes- undMuttersprache, in der alle Stände als SprossenEines Baumes erzogen werden, giebt eS keinwahres Verständniß der Gemüther,keine gemeinsame patriotische Bildung,keine innige Mit- und Zusammen-cmpfindung, kein vaterländischesPublikum mehr. Entweder bequemt man sichHerders Werke z. PhrK u, Gesch. Xk. K lll.